Jean Fertig
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Feederfutter? Hexenküche!

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„Ein Spinnenbein, 3 Fledermausflügel, die Fühler einer getüpfelten Sumpfschnecke und geraspeltes Hornkraut. Anschließend sprichst du 30 mal auf dem rechten Bein rückwärts um den Kessel hüpfend: „Surulausus Expulatiorium Feederfutterusus““. So oder so ähnlich klingen die meisten Futterrezepte zum Selbermachen für Neulinge.
Faktisch sind aber in den seltensten Fällen Futtermischung nötig, die weit über ein Fertigfutter aus der Großproduktion hinausgehen. Obgleich diese zwar angeblich auf verschiedene Fischarten abgestimmt sind, ist es meiner Meinung nach (fast) egal, ob man auf ein z.B. Rotaugenfutter zum Barbenangeln oder ein Brassenfutter zum Rotaugenfischen benutzt

Dunkles Futter = Große Fische

Dunkles Futter = Große Fische

Ein gutes Futter sollte nicht zu auffällig sein, da dadurch eher Kleinfische angelockt werden. Angelt man auf Masse kann das aber förderlich sein. Für größere Weißfische wie gute Brassen, Alande und Rotaugen sollte die Farbe dezenter ausfallen, ein helles Braun funktioniert so gut wie immer.

Es gibt mehr fertige Grundfutter als ein normaler Fisch in seinem Leben durchprobieren kann. Die hochpreisigen Artikel mögen ihre Berechtigung haben, für einen „normalen“ Angler sind sie meistens aber unnötig. Auch sollte man daran denken, dass ein Großeinkauf häufig Mengenrabatt bedeutet. Deswegen greife ich lieber zu großen Säcken und spare mir so teilweise mehrere Euro pro KG Futter.
Besonders geeignet zum persönlichen „Veredeln“ sind zum Beispiel Futter von Sensas im 14kg Sack, die dann preislich meist um die 20€ kreisen. Auch nutze ich gerne dieses Futter von Common-Baits. Der Geruch und der Geschmack überzeugen auf voller Linie. Schlägt man ein Ei hinein kann man sich am Wasser auch köstliche Fladen zubereiten. Nicht, dass ich das jemals ausprobiert hätte, aber …

Riecht gewöhnungsbedürftig? Gut! - Fische sind neugierig.

Riecht gewöhnungsbedürftig? Gut! – Fische sind neugierig.

Steht das Futter dann zuhause kann man je nach Bedarf noch eigene Geschmacksnoten mit einbringen. So gehört in jedes Futter eine Prise Salz. Im Winter mehr, im Sommer weniger. Auch sollte ein Anteil Hanf nicht fehlen. Ob geschrotet, geröstet oder gequetscht ist dabei zweitrangig. Wichtig ist nur der auf die Fische anziehende Geruch und die nicht- sättigenden Eigenschaften.
Gut macht sich auch Rindsbouillon. Auch intensiv riechende Dips, Pulver, Attraktoren und sonstige Wunderpülverchen aus dem Karpfenbereich kann man hier wunderbar zweckentfremden. Erlaubt ist, was der eigenen Nase ge- oder missfällt. Nicht alles, was den Fisch reizt, muss auch zwingend für den Angler attraktiv sein. Oder läuft euch bei dem Gedanken an Maden oder Würmer das Wasser im Mund zusammen? Deswegen dürfen es auch mal Geschmacksstoffe sein,die der Nase nicht schmeicheln.
Ich selbst verwende gerne den Pink Tuna und den Vampire Garlic – Dip von Quantum. So ungeeignet ich die Boilies dieser Produktserie halte, so gut wirkt der Dip im Feederfutter als Aroma. Außerdem darf ein guter Schuss Corn Steep Liquor nicht fehlen. Das Zeug riecht abstoßen und anziehend zugleich. Unbedingt ins Futter damit!
Bevor man seinem Futter flüssige Bestandteile zusetzt, sollte man es vorher schon gut durchmischen. Sonst kann es passieren, dass es später keine gleichmäßige Durchmischung gibt.

 

Genau das Richtige für den Wohnzimmerteppich der Schwiegermutter - Pellet-Frolic-Pampe

Genau das Richtige für den Wohnzimmerteppich der Schwiegermutter – Pellet-Frolic-Pampe

 

Ist das Futter dann abgeschmeckt, steht der schwierigste Punkt an: Die ideale Wassermenge. Oder sollte ich lieber sagen „Befeuchtungsmenge„? Schon seit langem mische ich mein Futter nicht mehr mit Wasser an, sondern mit einer Pampe, die noch zusätzliche Reize ins Futter bringt. Dazu befülle ich einen Eimer, zu dem ich auch einen Deckel habe, rund Fausthoch mit Wasser. Dazu kommen gut 2 Hände voll Frolic (Ja, das Hundefutter!) und 2 Hände voll Fischpellets (Auch Forelli genannt). Diese weichen ca. einen Tag im Wasser ein. Dann wird geknetet. Es sollten möglichst keine festen Bestandteile mehr vorhanden sein, sondern ein einheitlicher Brei entstehen. Im Sommer darf hier gerne noch ein Schuss Sonnenblumenöl zugegeben werden. Dieses steigt später im Wasser auf und zieht die Fische von der Oberfläche auf den Grund. Aber sparsam dosieren, sonst steht vielleicht die Feuerwehr zum Ölteppichabbinden auf der Matte.
Diese überaus „wohlriechende“ Masse ist ideal, und sein Futter damit zu befeuchten.

Beim Befeuchten sollte man sein Wasser sparsam zugeben. Immer wieder etwas nachschütten und vor der nächsten Zugabe ordentlich durchmischen. Die ideale Konsistenz hat das Futter, wenn man leicht Kugeln formen kann, diese aber bei vorsichtigem Druck ohne Probleme zerbrechen. Ist das Futter für ein Fließgewässer angemischt sollte es etwas feuchter sein, damit es nicht sofort vom Platz abgetrieben wird. Hat man diese Konstenz erreicht, sollte der „Kuchenteig“ einige Zeit ruhen – idealerweise mischt man das Futter am Tag vor dem Angeln an. Nach der Ruhe muss man noch etwas Wasser zugeben, da beim „Durchziehen“ das Futter wieder etwas poröser wird.

Futtersieb für die ideale "Fluffigkeit"

Futtersieb für die ideale „Fluffigkeit“

Tote Maden aussortieren leicht gemacht!

Tote Maden aussortieren leicht gemacht!

Früher war ich der Meinung, dass ein Futtersieb nicht notwendig ist. Das mag der Fall sein, wenn man im Sommer auf Karpfen angelt. Diese Unterwasserstaubsauger fressen derart große Mengen in einer Zeit, die Obelix´ Essverhalten wie das von Heidi Klum aussehen lässt. Gerade aber bei kälteren Wassertemperaturen ist der Stoffwechsel und damit der Energiebedarf stark heruntergefahren. Siebt man sein Futter nicht, entstehen kleine Bällchen, die sehr stark zusammen haften. Diese Ballen zerfallen auch nach längerer Zeit unter Wasser nicht, sodass sich die Fische daran satt fressen können, und den Hakenköder nicht aufnehmen.
Das vermeidet man durch das Sieben des Futters. Dieses sollte nachdem man es durch den Sieb gedrückt hat schön fluffig sein.
Außerdem kann man seinen Futtersieb auch ideal verwenden um tote Maden und Caster aus dem Futter auszusortieren. Einfach die Maden auf den Sieb schütten, Eimer darunter stellen und die Maden eine Zeit lang vor sich hin krabbeln lassen. Alle lebendigen Maden werden sich mit der Zeit durch die Löcher des Siebs gezwängt haben, die toten bleiben darauf liegen und können anschließend entsorgt werden.

Hier hats wohl geschmeckt. Brassen sind mitunter der Hauptfisch beim Feedern.

Hier hats wohl geschmeckt. Brassen sind mitunter der Hauptfisch beim Feedern.

 

Anschließend kommen noch einige Köder ins Futter, wie wir sie später auch am Haken verwenden. Also Maden, Caster, Mais, Minipellets, etc. Wie beim Salz, nur umgekehrt – Im Sommer mehr, im Winter weniger.
Diese erzeugen einen Futterneid unter den Weißfischen und es wird gieriger und unvorsichtiger gefressen. Es könnte ja sonst jemand anders schneller sein…

Beachtet man diese Tipps zum Futter, sollte der Erfolg nicht lange auf sich warten lassen.

 

 

 

 

Anmerkung

Als ich meinem Freund Marcel den Artikel zum Korrekturlesen schickte, war dieser anderer Meinung als ich. Den Artikel wollte ich allerdings nicht bearbeiten, da er exakt meine Erfahrungen an meinen Gewässern wiedergibt.

Dennoch möchte ich Marcels Einwände in Form eines Zitates einbringen:
Die Fertigfutter sind auf verschiedene Fischarten bzw. Angelmethoden abgestimmt. Ein Brassenfutter z.b. ist komplett passiv, Rotaugenfutter dagegen sehr aktiv. Flussfutter schwer und stark bindend. Für große Fische muss das Futter nicht unauffällig sein, genau das Gegenteil ist der Fall. Ein farbiges Futter hält Kleinfisch fern. Diese meiden einen beispielsweise gelben Futterplatz, da sie auf diesem von Räubern wesentlich besser als auf dunklem Untergrund gesehen werden.
Bloß nicht jedem Futter zusätzlich Salz zugeben! Viele Hersteller mischen ihrem Futter mittlerweile bis zu 7% Salz bei. Das steht in der Regel allerdings auf der Packung des Futters.
Sonnenblumenöl steigt zwar auf, ist aber zu vernachlässigen da es keine Futterpartikel mit sich zieht. Die Haupteigenschaft ist, dass es das Futter auflockert und es somit schneller aus dem Korb löst. Futter muss immer gesiebt werden, hier gibt es keine Ausnahme!
In deinem Futter wären mir persönlich zu viele Komponenten. Ich fische mein Futter am liebsten ganz normal, so wie es aus der Tüte kommt. Lediglich bei der Startfütterung wird zusätzlich dosiert Pulverlockstoff mit eingebracht. So halte ich mir die Möglichkeit offen Dips, Flavour, usw. erst dann einzusetzen, wenn ich sie brauche. Das ist nur dann der Fall wenn die Fische den Futterplatz verlassen. Ein wenig Duft zur rechten Zeit, und sie stehen wieder wie festgenagelt am Platz.

Aber hier hat jeder seine eigenen Erfahrungswerte. Viel davon ist sehr gewässerabhängig und muss ausprobiert werden!

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