Jean Fertig
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Bellyboot – Damit wird der Fisch bedroht

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BBB - BellyBoatBarsch

BBB – BellyBoatBarsch

Wie genau ich zu der fixen Idee eines Bellyboats kam, weiß ich nicht mehr genau. Jedenfalls hatte ich im Laufe des letzten Jahres mehrere Videos zu dem Thema auf Youtube gesehen. Einen Kauf habe ich damals noch nicht wirklich in Betracht gezogen. Das änderte sich dann aber im Jahresverlauf. Im Frühjahr diesen Jahres saß ich einige Male auf Waller an. Das Fischen mit normalen Bleien auf Waller ist nicht meine Welt. Allerdings war dies einige Male nötig, da mir ein „Auslegepartner“ fehlte, wenn ich alleine Angeln war. Denn im Falle eines Drills ergibt sich jederzeit die Möglichkeit, dass sich der Bleiklotz irgendwo verhängt. Ein Abriss, ein Aufbiegen des Hakens, ein verlorener Fisch ö.Ä. sind hier dann die Folge.

Spätestens ab da kann man die Idee der Anschaffung eines Bellybootes als feststehend betrachten.
Auch Fragen wie: „Und in der Mainströmung willst du dann rumeiern?“ brachten mich nicht davon ab. Im Gegensatz zum herkömmlichen Boot hat man beim Belly jederzeit beide Hände frei. So kann man sich Köder und Stein auf die Oberschenkel legen, und die Rute in die Hand nehmen. Am „Ablegeplatz“ der Montage kann man sich dank Antrieb mittels Flossen an den Füßen punktgenau in der Strömung halten und mit aller Seelenruhe seinen Stein und Köder platzieren. Ein normales Boot, selbst mit Motor, hätte bereits seine Position verändert. Dann einfach den Bügel auf, die Schnur leicht mit der Hand gebremst, und zurück zum Sitzplatz gepaddelt. Unkompliziertes Auslegen von U-Posen Montagen alleine!

Mein erster Bellyboatfisch

Mein erster Bellyboatfisch

Als ich meinem Angelpartner Uwe davon erzählte, dass ich „mir ein Bellyboat hole, sobald ich genügend Kleingeld dafür übrig habe“, war dieser zuerst sehr skeptisch. „Du vertraust dein Leben da einem Schlauchboot an“ und „das ist doch viel zu anstrengend und man wird ständig nass“ waren mit seine zwei Hauptargumente dagegen. „Du spinnst doch!“
Rund eine Woche später hatte er seine Meinung allerdings geändert. Für ihn war die einfache Handhabung gegenüber unserem bisher genutzten GFK-Boot zum Rutenauslegen entscheidend. Statt nach jedem Rutenauslegen die schwere, doppelwandige „Gurke“ aus dem Wasser zu hieven einfach nur nach dem auslegen Flossen ausziehen und abtrocken. Das war auch für ihn überzeugend. So überzeugend, dass er spontan der Meinung war mir das Belly zu kaufen. Obgleich ich das nicht annehmen wollte, bestand er darauf. „Die Inflation und die niedrigen Zinsen fressen bei mir jedes Jahr wesentlich mehr auf, als das Ding kostet. Da isses wenigstens sinnvoll investiert!“ Bedingung war allerdings, dass in Zukunft immer ich derjenige bin, der die Montagen ausbringen muss. Aber dieses Opfer bringe ich gerne.
Nach gemeinsamer Recherche und Suche nach dem geeigneten Boot fiel die Entscheidung schlussendlich auf das Guideline Drifter. Positive Berichte und der vergleichsweise günstige Preis waren dafür ausschlaggebend. Mit 319€ inklusive Pumpe, Flossen und Versand bei Obooto ein vergleichsweise geringer Preis, der aber doch nicht für Jeden zu jeder Zeit erschwinglich ist. Aber es lohnt sich definitiv!

Wer die Strömung raffiniert benutzt kommt auf beachtliche Geschwindigkeiten.

Wer die Strömung raffiniert benutzt kommt auf beachtliche Geschwindigkeiten.

Offensichtlich bin ich nicht der Einzige so Verrückte, denn Vereins-, Fütter-, und Angelkollege Sebastian bestellte direkt das selbe Modell mit.

Mit der mitgelieferten Pumpe kann man sich getrost den Schuh aufblasen. Ewiges Pumpen für kaum Luft in den Schwimmkörpern bei großer Anstrengung ist nicht besonders spaßfördernd. Glücklicherweise hatte ich noch eine 2x2000ml Doppelhubpumpe zuhause. Damit ist das Guideline Drifter in spätestens 5 Minuten komplett voll. Nach dem Aufpumpen und Bestücken mit Ködern, Kescher, u.Ä. ging es dann zuerst für 15 Minuten zur Trockenfahrt ohne Rute, um sich an das Gefühl zu gewöhnen. Die mitbestellten Flossen erwiesen sich dabei als ideal. Eine Universalgröße von ca. 44-48 ist perfekt für große Füße. Die Flossen waren die ersten Schwimmflossen, die ich angenehm über mehrere Stunden tragen konnte. Als 45-46er mit sehr breiten Füßen fühle ich mich in den Flossen sowohl barfüßig, als auch mit dicken Wollsocken sehr wohl. Bei der ersten Trockenfahrt bekam ich aber direkt einen Krampf – „Scheiße, BB war wohl doch keine gute Idee.“ Aber nur die Harten kommen in den Garten. Also kurz eine Pause gemacht, die Rute geschnappt und an eine vielversprechende Stelle gepaddelt. Am Staustufenauslauf ist die Strömung besonders hart, hier kommt man mit den Flossen an seine Grenzen. Mit maximaler Anstrengung kann man sich Millimeterweit vorarbeiten. Aber da nicht die Flussmitte mein Ziel war, war dies nicht nötig. Rund 100m ufernah Flussauf gepaddelt und dann quer zur Strömung gestartet. So wurde ich abgetrieben und kam direkt zu meiner auserkorenen Stelle. Es dauerte auch nicht lange, bis sich ein kampfstarker Fisch meinen 7,5cm Gummifisch an der -15g Barschrute schnappte.
Direkt vor meinen Füßen. So nah, dass ich annehmen kann, dass der Fisch mich bzw. das Belly als Deckung nutzte, um seinen Angriff zu starten. Nach einem anstrengenden Drill konnte ich einen ü70 Pfeil landen.

Ob das BB für seinen eigentlich angedachten Zweck tauglich ist, wurde dann am darauf folgenden Wochenende getestet. Außer eine absolute Bestätigung der These, dass sich die Wallermontagen damit wesentlich einfacher ausbringen lassen als mit einem normalen Boot lässt sich dazu nichts weiteres vermelden.

Nass wird man im Belly immer!

Nass wird man im Belly immer!

Der Pfingstmontag ist in Bayern ein Feiertag, und so planten Sebastian und ich schon einige Tage im voraus die erste größere Bellyboattour an unserem Mainabschnitt. Dass an besagtem Tag das Wetter hundsmiserabel war, war uns aber egal, von unten wird man im Belly sowieso nass und für obenrum hatten wir Regenjacken dabei. Ein Auto platzierten wir gute 2km flussabwärts, mit dem anderen fuhren wir zu unserer oberen Fischereigrenze. Dort angekommen wurden die Boote nach dem Aufpumpen mit allerlei Zubehör bestückt. Die mittelgroßen Taschen bieten Platz für das Nötigste wie 2 Köderboxen mit ca. 20cm Seitenlänge, Getränke, Messer, Zange, Kescher, Anker, etc. Im Normfall bleiben diese Taschen komplett trocken, allerdings sollte man zur Sicherheit sein Handy, Geldbeutel und andere Dokumente in einem Wasserdichten Zipp-Beutel verpacken.
Dank der V-Form des Guideline Drifter befindet sich im Kiel auch ausreichend Stauraum.  Dort sollte man aber nichts platzieren, was nicht nass werden darf, denn hier ist nur ein Netz eingearbeitet. Bei mir war das der Anker, ein zusätzliches „Notfallpaddel“ sowie ein Kescher.
Á propos Kescher: Für den BB-Einsatz eignet sich ein Watkescher hervorragend. Ich nutze dafür dieses Modell von Balzer. Mit dem Karabiner am Gummizug hänge ich ihn in einen der Metallringe am Belly ein, und werfe ihn hinten in den Kiel. So habe ich ihn immer griffbereit, er stört mich nicht, und er kann unter keinen Umständen baden gehen.

Nachdem wir die Ausrüstung untergebracht hatten ging es bei Dauerregen auf die andere Mainseite. Dort wird so gut wie nie gefischt, da ein Befahren mit dem Auto unmöglich ist, und das Ufer auch sonst eher dem Amazonas als dem Main gleicht. Als wir dann die passende Entfernung zum Ufer gefunden hatten ließen wir uns gemächlich flussab treiben und korrigierten lediglich hin und wieder die Entfernung zum Ufer. Die Würfe gingen meistens Richtung Ufer, aber auch den Innenbereich des Flusses ließen wir nicht außer acht. Irgendwann erschreckte Sebastian, als ihm ein Barsch dem Köder hinterher und beinahe in seinen Schritt schwamm. Aber bekanntlich mögen Barsche ja Würmer. Das veranlasste uns an besagter Stelle zu ankern und diese ordentlich abzufischen. Während Sebastian nur einen Fehlbiss bekam, konnte ich zwei Barsche mit rund 30 und 35cm fangen.

Sebastian Nr. 1

Sebastian Nr. 1

Sebastian Nr. 2

Sebastian Nr. 2

Schockfarben brachten den Erfolg.

Schockfarben brachten den Erfolg.

Selbe Größe, selbe Statur. Kleinere Zander stehen häufig in Trupps.

Selbe Größe, selbe Statur. Kleinere Zander stehen häufig in Trupps.

Anschließend ließen wir uns weiter treiben und erhielten seltsamerweise auch in sehr ausgedehnten Flachwasserbereichen mit starken Pflanzenbewuchs keinerlei Bisse von Hechten oder Barschen. Bei besser werdendem Wetter blieben wir den restlichen Nachmittag fischlos. Trotz des Abkühlens der Wassertemperatur aufgrund des Regens auf rund 17 Grad konnten wir trotzdem insgesamt rund 7 Stunden fischen ohne zu frieren. Kalt wurde es lediglich, wenn man aus dem Wasser aufstand. Solange die Beine im Wasser bleiben, friert man nicht.

Gegen Abend erreichten wir dann noch einige interessante Stellen, an denen wir uns länger aufhielten. Sebastian gelang es, unter seinen Flossen einen schönen Zander zu überlisten und erfolgreich zu drillen. Nach längerem Aufenthalt an dieser Stelle und keinen weiteren Bissen beschlossen wir uns noch ein weiteres Stück treiben zu lassen. An einer Stelle, die mir schon von früheren Bootstouren bekannt ist, ankerten wir. Mittels eines Karabiners und den Metallringen an den Seiten der Boote schlossen wir uns zusammen und standen so direkt nebeneinander. Sitzen, Reden, Angeln – Optimal!
Und dann wagt es dieser „Freund“ noch einen weiteren Zander zu fangen. Und dann noch einen. Und dann zum Glück keinen mehr. Irgendwo ist man ja doch ein wenig neidisch…Zumindest so ein Biss bei mir wäre schön gewesen. Aber man kann ja nicht alles haben. Als es schlussendlich dann doch frisch um die Beine wurden beschlossen wir die Fische Fische sein zu lassen und machten uns auf den Heimweg. Mittels der Hauptverschlüsse waren die Boote binnen Sekunden geleert und konnten ins Auto verfrachtet werden. Trotz der langen Tour hatte ich am Folgetag keinerlei Muskelkater und auch sonst keine Beschwerden wie Krämpfe, die mich bei dem ersten Testen plagten. Offensichtlich muss man erst einmal die richtige Paddeltechnik für das Belly lernen. Auch bekomme ich bei normalen Booten normalerweise spätestens nach 2 Stunden Rückenschmerzen. Beim BB keinerlei Anzeichen davon.

Um meine Ehre nicht ganz zu verlieren, musste ich natürlich auch noch einen Zander vom Boot aus fangen. Also machte ich mich 2 Tage später auf zu einer kurzen Tour. Als mittlerweile erfahrener Aufpumper konnte ich mein Boot nach sehr kurzer Zeit zu Wasser lassen und machte mich direkt zu einer der erfolgreichen Stellen der letzten Zeit auf. Dank Sebastians Fangerfolg am Pfingstmontag wusste ich, dass die Zander wohl aktuell nur auf Schockfarben stehen und Naturfarben links liegen lassen. So dauerte es auch nicht lange, bis ich dann endlich den Drilling der Räuber vom Bellyboat aus voll machen konnte, und sich der erste Zander in den Kescher führen ließ.
Bald darauf stieg auch der Zweite ein. Obwohl ich gerne mal wieder ein Zanderfilet essen würde, durften beide Fische wieder schwimmen.

Daumen hoch fürs Bellyboat!

Daumen hoch fürs Bellyboat!

Als Fazit darf ich für mich ziehen:
Dass Bellyboat war für mich eine goldrichtige Entscheidung. Man hat immer beide Hände frei, hat ausreichend Stauraum, muss keine schweren Teile am Ufer herumheben (Es reicht ein Hammerkopf als Anker!), ich bekomme keine Rückenschmerzen, man ist trotz der Flossen schnell unterwegs und ich bilde mir eine sehr geringe Scheuchwirkung ein, weil man, wie in meinem Fall, von den Fischen als wunderschöner Schwan wahrgenommen wird.
Für stark strömende Flüsse gibt es sicher geeignetere Boote, da man gegen die Strömung schon extrem anschwimmen muss. Gemäßigte Fließgeschwindigkeit stellt allerdings keinerlei Problem dar!

Bei dem Guideline Drifter bin ich von der Verarbeitungsqualität und dem Aufbau des BB im Allgemeinen überzeugt. Sowohl Auf- wie auch Abbau ist nach dem ersten Mal schnell erledigt und funktioniert wie von selbst (Ordentliche Pumpe vorrausgesetzt.). Mit 6 Kammern ist es besonders sicher, sollte eine oder 2 Kammern ausfallen, was ich aber für sehr unwahrscheinlich halte. Die einzigen drei Verbesserungsvorschläge wären:
– Mehr Metallringe (Aktuell 4 Stück)
– Eine gesonderte Rutenablagemöglichkeit
– Eine längere Messskala für das Montageteil (Aktuell nur 50cm)

Ansonsten bin ich vollauf zufrieden und freue mich über jede Minute, die ich in meinen „Babyschwimmring“, wie es mein Vater nennt, sitzen kann.
Jeder, der einmal die Möglichkeit hat, sich in ein BB zu setzen, sollte diese unbedingt nutzen, und sich selbst in die beste Art des Bootsangelns zu verlieben.

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