Jean Fertig
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Barschangeln im Dienste der Wissenschaft

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Alles begann mit einem Thread im Anglerboard, der auf die Studie des IGB verwies. Es würde sich um ein Fang-Wiederfang-Experiment von Barschen handeln. barschigb1

Die doch recht spärlich gesäten Informationen machten mich aber auf jeden Fall neugierig. Es sollte sich um einen unbefischten See handeln, in dem vom Boot aus geangelt werden sollte. Fang, Wiederfang, Größe, Gewicht und sonstige Daten der Fische sollte erfasst werden. Auch würde jeder „Typ“ Angler gebraucht. Also Barschangelanfänger, Fortgeschrittene und Profis.

Meine Bewerbung schickte ich zeitnah an den Versuchsleiter und vergaß das Ganze recht bald wieder:

Sehr geehrter Herr Monk,

über das Anglerboard erfuhr ich von Ihrem Forschungsprojekt. Gerne würde ich mich hierzu als Experimentalangler bewerben.
Obgleich in nicht in Berlin-Brandeburg, sondern in Bayern bei Würzburg wohne bin ich sehr an dem Versuch interessiert. 

Als Student erstrecken sich meine Semesterferien oftmals bis in den Spätherbst, wodurch es mir möglich wäre am Forschungsprojekt teilzunehmen.
Ich würde mich als routinierten Barschangler bezeichnen, der häufig seine Fische fängt.

Unter anderem können sie meine bisherigen Erfahrungen, zum Beispiel mit dem Drop-Shot Rig hier nachlesen:
http://www.angeln-mit-stil.de/2014/11/05/drop-shot-da-war-doch-was/
http://www.angeln-mit-stil.de/2014/11/12/drop-shot-die-zweite/

Über eine Rückmeldung Ihrerseits würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen,
Jean Fertig

Irgendwann wurde der grobe Ort des geheimen Sees bekanntgebenen – rund 80km nordöstlich von Berlin. Für mich aus Bayern also eine Strecke mit rund 600km, einfach. Aber erstmal müsste ich überhaupt als Tester ausgewählt werden. Ein unbefischter See mit sonst keinerlei bekannten Informationen reizte mich natürlich als kleines Abenteuer.

Im August bekam ich dann per E-Mail die Bestätigung, dass ich ausgewählt worden war und mich am 13. September um 9 Uhr am See einfinden sollte.

Jetzt stand ich vor einem kleinen Problem. Entweder müsste ich mitten in der Nacht losfahren oder aber am Abend vorher fahren und im Auto schlafen. Beides schien mir keine besonders gute Idee im Hinblick auf meinen Schönheitsschlaf zu sein. Schließlich wollte ich etwas vom Angeln haben, nicht nur wie ein Zombie über den See kurven und auch konzentriert fischen können.

Berlin am Abend

Berlin am Abend

Glücklicherweise besuchte eine Freundin in dieser Woche ihrerseits eine Freundin, die in Berlin wohnt. Nach vorsichtiger Anfrage hatte ich dann schließlich einen Schlafplatz.

Endlich stand dann der besagte Termin bevor. Obwohl den Teilnehmern in der Mail bekannt gegeben wurde, dass jeder Ausrüstungsgegenstand, vom Boot bis zur Rute, Rolle, Haken, Köder, Kescher, etc. gestellt und diese Ausrüstung zwingend genutzt werden muss, packte ich in meiner Skepsis dennoch eigenes Gerät ein. Meine Jackson-Barschrute, Fluorocarbon, Dropshotzubehör, Köder und sonstige Kleinteile sollten mir im Zweifelsfall nützlich sein.

Trotz meines Fahrangebots auf Blablacar fand ich keinen Mitfahrer. Derart flexibel startete ich also Freitagvormittag meine Reise nach Berlin. Dank freier Autobahnen, vollem Tank und Bleifuß kam ich gegen 14 Uhr bei besagter Freundin an. Um pünktlich am nächsten Tag am See zu sein plante ich für die Fahrt von Berlin dorthin 2 Stunden ein, schließlich wusste ich nicht, ob ich diesen auf Anhieb finden würde, laut Mail läge dieser nämlich sehr versteckt.

Wer also morgens um 7 Uhr frisch geduscht und mit üppigem Frühstück aufbrechen will, muss entsprechend früh aufstehen. Daraus ergab sich leider, dass wir nicht am Berliner Nachtleben teilnahmen. Lediglich eine kleine und feine Burgerbude wurde aufgesucht und für gut befunden (Berlinburger international).

Die Fahrt zum See verlief ereignislos und auch das Grundstück selbst war der E-Mail zum Trotz kinderleicht zu finden.

Nachdem ich eine Stunde totgeschlagen und erste Worte mit den anderen 4 Teilnehmern gewechselt hatte, kam der „Assistent“ des Studienleiters.

Uns wurden generelle Infos zum Gelände und dessen Verhaltenskodex gegeben und wir durften schließlich bis zum See durchfahren.

Jedem Teilnehmer konnte man ansehen, wie heiß er aufs Angeln ist. Aber das musste noch warten. Christopher Monk, der Versuchsleiter, stellte sich vor und wies uns kurz in das zu verwendende Gerät ein. Informationen zum Gewässer selbst bekamen wir nicht. Wir erfuhren, dass wir nun doch nicht die ersten Angler am See sind, sondern dass dieser vor rund 20 Jahren vom IGB übernommen wurde. Auch lief der Versuch schon einige Zeit, es waren also schon andere Angler vor uns auf dem See. Dementsprechend war ich ein wenig enttäuscht, schließlich hatte man mich mit einem unbefischten See gelockt. Aber davon wollte ich mir die Laune nicht versauen lassen.

Die Boote waren mit Echolot und GPS-Sendern ausgestattet, mithilfe deren die Fahrtrouten der einzelnen Angler aufgezeichnet wurden. Außerdem hatte jedes Boot ein Funkgerät, mit dem wir unseren „Adlerhorst“, den Forschungsbauwagen an Land, kontaktieren konnten. Bei jedem Barsch über 28cm sollten wir uns melden und diesen dann in unsere Fischkiste packen. Christopher Monk oder sein Assistent würden dann sofort ins Boot springen und den jeweiligen Angler besuchen. Barsche, die noch keinen Sender hätten, würden dann besendert, bereits vorhandene Sender ausgelesen. Halt, die Barsche haben Sender, wir haben Sender? Das heißt die Versuchsleiter sitzen im Bauwagen, sehen wo wir rumgurken und wo die Fische stehen und lachen sich ins Fäustchen? Ganz so war es dann doch nicht. Denn der komplette See war mit Hydrophonen, also Unterwassermikrophonen und Empfänger ausgestattet, die eine lückenlose Überwachung der Wasserfläche zwar ermöglichen, aber nicht erart präzise Arbeiten, dass eine genaue Verfolgung möglich wäre. Diese Hydrophone durften wir auch nicht anwerfen. Schade eigentlich, den Kabel unter Wasser die an Stelzen befestigt sind, bieten eigentlich den perfekten Standplatz für eben den Zielfisch Barsch. Das Leihgerät war nicht wie vermutet vollkommen weltfremd, sondern in Anbetracht der Umstände durchaus brauchbar. Da es wohl auch einige Hechte im See gab wurde hier ein passabler Kompromiss zwischen ausreichendem Rückgrad und nötiger Feinheit gefunden. Wir fischten mit Fluorocarbon, jedoch mit dem Hinweis darauf, dass wir bei zu vielen Hechtverlusten allesamt auf Stahl wechseln würden. Die Qual der Wahl hatte man bei den Ködern. Zur Auswahl standen genau 2 Köder und damit zwei Spinnarten. Entweder der gute, alte Mepps-Spinner oder der Lunker City Shaker in 8cm am 5g Jighaken. Um die Angler miteinander vergleichen zu können durchaus verständlich und nachvollziehbar, aus Sicht der Angler aber doch ein bisschen dürftig. Mir kam zugute, dass ich den Shaker unter Anderem sowieso als meinen Lieblingsköder auf Barsch bezeichne.

Bevor wir aber endlich aufs Wasser durften mussten wir noch eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen, die insbesondere auf die Lage des Sees und die Nichtveröffentlichung von Informationen bezüglich des Angeln selbst vor Abschluss des Experiment abzielte. Schließlich würden nach uns weitere Angler den See befischen und deren Fangergebnisse wären schließlich nicht besonders repräsentativ, wenn sie schon alle fängigen Stellen kennen würden.

In einem „Erwartungsbericht“ trugen wir unsere aktuelle Gemütslage ein.

Auch wurde darin gefragt, welche Menge an Barschen und welche Größe wir fangen müssten um zu 100% zufrieden zu sein.

In Anbetracht meiner weiten Anfahrt müsste also schon was rauskommen, gerade weil ich Barschtechnisch an meinen Hausgewässern sehr verwöhnt bin. Als ich eben wegen meiner „Verwöhntheit“ noch einmal laut nachfragte, erwiderte man mir lächelnd, dass ich das einfach so eintragen sollte.

Boardie Angler999, Robert, fiel fast die Kinnlade runter, als ich meinte, dass mindestens ein 35er drin sein müsste, eher sogar ein 40er.

Anzahlmäßig hielt ich mich zurück, schließlich wollte ich eher die Größe. Fünf sollten hier ausreichend sein.

Wir bekamen noch ein Angeltagebuch an die Hand, in dem wir jeden Köderwechsel mit Uhrzeit, eventuelle Angelpausen und natürlich die Fänge mit Uhrzeit sowie den benutzten Köder und den Hakort im Fischmaul vermerken sollten.

Mittlerweile hegte ich den Verdacht, dass weniger die Fische, sondern eher die Angler untersucht werden sollten. Gegen 10 Uhr ging es dann endlich los. Jeder Angler hatte sich schon vom Ufer aus Stellen ausgeguckt, die er zuerst anfahren wollte.

Da wir wie gesagt noch keinerlei Ahnung vom See hatten, hielt ich mich erstmal an sichtbare Parameter. Das war für mich das Ufer. Ich brachte mein Boot also in Wurfentfernung zum Ufer in Stellung und ließ mich vom Wind bewegt an selbigem entlangtreiben. Nach 2 Minuten entschneiderte ich sowohl die Gruppe als auch mich. Direkt ein kleiner Barsch. „Verrückt, das fängt ja gut an!“

Da der Gummi jetzt schon den ersten Erfolg brachte, fischte ich den weiteren Umkreis der Fangstelle ab. Dort ließ sich auch noch ein 52er Hecht überlisten. Trotz ausdauerndem Fischen war diese Stelle wohl nicht besonders ertragreich. Über Funk erfuhr ich, dass auch die Anderen schon erste Erfolge verbuchen konnten. Ich ließ mich weitertreiben und verbrachte rund eine Stunde ohne Biss. An der Prallseite des Windes angekommen ging es dann los. Einen Hecht gefangen, drei durch durchgebissenes Vorfach verloren. Meinem Vorschlag über Funk auf Stahlvorfach umzusteigen wurde nicht zugestimmt und so fischte ich weiter mit Fluorocarbon. Da meine Shaker-Vorräte aufgrund der verlorenen Hechte erschöpft waren gab ich über Funk durch, dass ich neue benötigte. Keine 5 Minuten später bekam ich selbige direkt an meine Stelle gefahren. Was ein Service! Rund eine halbe Stunde und 100m später konnte ich direkt 2 Hechte von selber Größe auf ein und derselben Stelle fangen. Zwischenzeitlich hatte ein anderer Teilnehmer bereits einen Dickbarsch von rund 43cm gelandet – irgendwas musste ich also falsch machen…

Gegen 12.45 waberte dann ein leichter Steakgeruch über den See. Man teilte uns mit, dass das Mittagessen fertig wäre und wir doch bitte zum Adlerhorst zurückkehren möchten. Dort wurden wir hervorragend mit Steak, Brötchen und den dazugehörigen Saucen und Getränken bewirtet.

Was ein Service – Angeln, Köder auf Abruf, zum fertigen Mittagessen fahren, weiterangeln. Nun, ganz so war es dann doch nicht.

Bevor wir nämlich wieder aufs Wasser durften stand noch eine kleine Einzelbefragung bevor.

So wurden wir einer nach dem anderen in den Bauwagen gebeten und beispielsweise zu unserer „Zurücksetzmoral“, unserer Orientierung an anderen Anglern als Hilfe zum Fangerfolg und unsere bisherige Angelerfahrung befragt. Spätestens jetzt war ich überzeugt, dass ein großer Teil der Studie sich auch mit den Anglern und deren Verhalten beschäftigt.

Nachdem wir uns beratschlagt hatten, wie wir am besten vorgehen, damit jeder maximale Fänge erreicht starteten wir wieder.

Ich suchte zuerst die andere Hälfte des Ufers ab, die ich bisher ausgelassen hatte.Aber auch das brachte mir lediglich einen kleinen Hecht. Meine Laune war mittlerweile am Tiefpunkt des Tages angelangt, schließlich hatte ich für meine lange Anfahrt dicke Barsche erwartet. Jetzt war es fast 16 Uhr und neben einem kleinen Barsch hatte ich lediglich Schniepelhechte gefangen.

Mein bisher planvolles Vorgehen wurde einfach nicht belohnt. Deswegen entschied ich mich Faktoren wie die Windrichtung, die Lichtverhältnisse und sonstige Besonderheiten außer Acht zu lassen und ließ zum Großteil den Zufall entscheiden. So brachte ich mein Boot in rund 20m zum Ufer in Stellung, ließ mich wieder vom Wind über den See treiben und warf Richtung Seemitte. So erhoffte ich mir am Übergang vom Ufer zu tiefen Stellen eine Kante zu finden, an der eventuell die Zielfische stehen würden.

Und tatsächlich, nach rund einer Viertelstunde bekam ich einen Biss, den ich nicht verwerten konnte. Meine Konzentration war zurück. Ich warf direkt die selbe Stelle und auf Anhieb konnte ich einen kleinen Barsch landen. Das war für mich das Zeichen meinen Anker zu werfen und das Eck genauer abzuklopfen. Von den anderen Anglern wusste ich, dass sie bisher, abgesehen von dem 43er bisher ebenfalls nicht besonders erfolgreich waren.

Dieses war der erste Streich...

Dieses war der erste Streich…

Und der Zweite folgt sogleich.

Und der Zweite folgt sogleich.

Siehe da, 5 Minuten nach dem ersten kam der Zweite an Bord – diesmal mit 32cm. Dieser erfüllte die 28cm Vorgabe, wurde in der Fischkiste eingetütet und ich gab dem Adlerhorst Bescheid, dass ich einen zu erfassenden Fisch hätte. Noch während das Wissenschaftlerboot auf dem Weg zu mir war konnte ich bereits den nächsten vorgabenerfüllenden Barsch fangen. Die genaue Messung ergab dann 32,2 und 30,5cm.

Die nächste halbe Stunde bekam ich an der selben Stelle nur Fehlbisse, die ich auf den sehr leichten Bleikopf schiebe. Wie erwähnt warf ich in Richtung Seemitte, die Tiefe dort betrug geschätzt rund 6 Meter, die es bei Seitenwind und nur einem 5g-Kopf schwierig machten zu fühlen, was der Köder unter Wasser treib. Deswegen hatte ich mehrere Mal das Problem, dass bei der nächsten Ankurbelphase schon ein Barsch hing, der sich aber mangels Anschlag des Köders wieder entledigen konnte. Zwischenzeitlich hatte sich auch Robert bei mir eingefunden und ganz höflich gefragt, ob das für mich ok wäre. „Klar, wir sind doch alle hier um Spaß zu haben.“

So dauerte es rund eine halbe Stunde, bis ich den nächsten Barsch an der flach abfallenden Kante überlisten konnte. Dieser war mit exakt gemessenen 37,7cm mein bisher Größter des Tages. Durch mein ständiges Funken an den Adlerhorst kam dann auch noch ein anderer Teilnehmer zu der Stelle. Insgeheim ärgerte ich mich ein wenig darüber, schließlich hatte ich die Stelle gefunden und fand es ein wenig unverschämt, sich ohne zumindest eine Höflichkeitsfrage an den selben Spot zu stellen. Interessanterweise kamen jetzt exakt die Fragen der Mittagsbefragung zum Zuge: „In wie weit lassen Sie sich vom Fangerfolg anderer Angler beeinflussen?“, „Welcher Abstand zu anderen Anglern an einer Stelle ist für Sie noch im Wohlfühlbereich?“ und „Würden sich andere Angler dicht zu Ihnen stellen, würden Sie deswegen den Platz wechseln?“

Ich ließ mich davon dennoch nicht stören, schließlich hatte ich den Zielfisch den ganzen Tag über gesucht und wollte jetzt das maximale ausholen. Und gegen dreiviertel Fünf konnte ich meinen Tages-PB noch einmal steigern, auf nun 38,6cm.

Auch Boardie Angler9999 konnte in der Zeit einige Barsche fangen, darunter auch sein neuer Personal Best. Der Dritte im Bunde fing ebenfalls, auch keine Schlechten. Das Boot des Adlerhorsts war praktisch ständig zwischen uns Dreien unterwegs, um Barsche zu erfassen und wenn noch nicht besendert, ihnen einen Sender in die Rückenmuskulatur zu pieksen. Um 17 Uhr war dann mein Tageshöhepunkt gekommen. Allein vom Drill her konnte ich schon sagen, dass da ein ü40er wütete. Gerade die Größeren folgen häufig auf den ersten Metern ganz gefügig dem Zug der Rute, bis sie merken, dass da etwas nicht stimmt. Dann folgt häufig das obligatorische wilde Schütteln auf der Stelle, nur um darauf wieder ruhig in eine Richtung zu streben – und sich kurz darauf wieder zu schütteln. Jeder, der schon einmal eine großen Barsch am angepassten Gerät fangen durfte kann bestätigen, dass man im Drill immer wieder das Gefühl hat, den Fisch verloren zu haben, weil er manchmal ohne Widerstand auf einen zuschwimmt. Und im nächsten Moment fällt einem ein Stein vom Herzen, weil er sich wieder kraftvoll in die Rute stemmt. Das macht für mich das Barschangeln aus!

Nicht nur ich, sondern auch die Barsche des Forschungssees sind ziemlich rundlich.

Nicht nur ich, sondern auch die Barsche des Forschungssees sind ziemlich rundlich.

Und ich hatte Recht, ein richtiger Dickbarsch lag im Kescher. „Hat der schon die 45?“ wurde mir zugerufen.

Aber leider fehlten mir 1,8cm zu dieser magischen Marke. 43,2cm sollte für mich der größte Barsch des Tages bleiben. Jetzt war ich voll zufrieden. Einige kleine Hechte, gute Barsche aus einem mir unbekannten See, „Vollpension“ und auch noch der zu sein, der wohl den größten Erfolg verbuchen konnte – den Zielfisch gefunden zu haben. Robert konnte seinen PB in der Zwischenzeit noch einmal verbessern! Auch ich verlor wohl noch einen größeren Barsch als den 43er, was aber in Anbetracht der Umstände für mich nicht mehr besonders ins Gewicht fiel.

Weil jetzt eine weitere Viertelstunde komplett ohne Biss verging, ging ich davon aus die Stelle wäre abgefischt. Ich schleppte also meinen Gufi langsam hinter mir her, im selben Abstand zum Ufer, wie auch der Hotspot war. Hier bekam ich allerdings keinerlei Kontakt, sodass ich nach rund einer halben Stunde doch wieder dorthin zurückkehrte. Schließlich war es fast 18 Uhr und eine neue Stellensuche würde sich nicht mehr lohnen.

Prompt bekam ich dort wieder einen heftigen Biss. Die ersten paar Sekunden dachte ich wieder an einen dicken Barsch. Den Gedanken verwarf ich aber schnell, denn der Krafteinsatz und die Geschwindigkeiten, die in Sprints kamen, passte so gar nicht zum Barsch. Auch zog sich der Drill stark in die Länge. Meine zweite Vermutung stimme nach der ersten Sichtung, ein besserer Hecht hatte hier zugelangt. In Bootsnähe konnte ich dann erkennen, dass der Haken nicht wie erwartet im Maulwinkel saß, sondern der Gufi komplett eingesaugt worden war. Ich bekam Panik, schließlich könnte das Fluorocarbon jederzeit von den Zähnen zerschnitten werden. Dadurch lässt sich auch meine seltsame Performance bei der Landung erklären, die wohl überaus erheiternd für alle Zuschauer war.

Bei der Vermessung war ich dann allerdings doch ein wenig enttäuscht. Eine derartige Power kenne ich bei Seehechten dieser Größe absolut nicht. Der 72er war wohl der Schwarzenegger unter den Hechten des Sees.

Aber zumindest erklärt dieser Fisch, warum am Hotspot keine Bisse mehr kamen.

Ziemlich mickrig für seine Power. Mein größter Hecht des Tages.

Ziemlich mickrig für seine Power. Mein größter Hecht des Tages.

Der Barschfresser hatte wohl alles Andere vertrieben.

Trotz des Wegfangens des größeren Räubers tat sich allerdings nichts mehr. Erst eine Stunde später, wenige Minuten vor Schluss, landete ich nochmals einen Barsch mit 25cm.

Zufrieden ging es zurück zum Adlerhorst.

Wir füllten unser Angeltagebuch vollständig aus, was beispielsweise unsere momentane Gefühlslage betraf und löcherten jetzt selbstverständlich die Versuchsleiter. So erfuhren wir, dass die Angler vor uns ebenfalls unter Anderem an „meinem“ Hotspot gefangen hatten, dass der größte fangbare Barsch bei rund 45cm läge und dass beim Versuchsangeln von Anderen auch ein Waller mit 92cm gefangen wurde, von dessen Existenz die Versuchsleiter keinerlei Kenntnis bis zu dessen Fang hatten.

Nach einer kleinen Feedbackrunde, bei der auch das verwendete Gerät durchweg als für den Versuch tauglich und brauchbar erachtet wurde, bekamen wir allesamt eine kleine Aufmerksamkeit – eine Tasse, die uns als Testangler ausweist.

Am Ende des Tages war die Fangliste gut gefüllt.

Am Ende des Tages war die Fangliste gut gefüllt.

Auch der Teilnehmer, der sich zu Boardie Angler9999 und mir gestellt hatte, bedankte sich an dieser Stelle noch einmal bei mir, er wüsste nicht, ob er die Stelle sonst gefunden hätte. Somit war auch mein Unmut über ihn vergessen.

Man wünschte sich eine gute Heimreise und verabschiedete sich zeitnah. Ich hatte leider nicht mehr die Möglichkeit erneut in Berlin zu übernachten, weswegen ich noch am Abend die rund 6 Stunden Heimfahrt auf mich zu nehmen hatte. Gegen 22 Uhr musste ich dann wegen Übermüdung die erste Schlafpause einlegen, fuhr auf einen Autobahnparkplatz und stellte meinen Wecker auf 1 Uhr nachts. Trotz Beengten Raumverhältnissen im Auto konnte ich erstaunlich erholsam schlafen und starte meine Weiterreise pünktlich. Dank meines ganz besonderen Glücks fuhr ich nur einen Kilometer nach dem Parkplatz in eine Vollsperrung. Irgendjemand hatte offensichtlich eben keine Schlafpause eingelegt und einen derartigen Unfall fabriziert, dass es 2 Stunden dauerte, bis die Unfallstelle geräumt und die Weiterfahrt einspurig möglich war. So musste ich rund 3 Stunden nach meiner Pause erneut die nächste einlegen, mir fielen die Augen fast zu. Diesmal gönnte ich mir 2 Stunden und hoffte dann endlich ohne Störungen in einem Rutsch durchfahren zu können. Allerdings machte mir mein Schlafbedarf wieder einen Strich durch die Rechnung und ich konnte es nicht mit meinen Gewissen vereinbaren die letzte Stunde vor der Heimat runterzureißen. Also stand die dritte Schlafpause diesmal nur rund 70km vor den heimischen Gefilden an. Einigermaßen fit und mit Vormittagssonne im Rücken schaffte ich es dann gegen 10 Uhr, nach 14 Stunden auf deutschen Autobahnen, nach Hause und fiel hundemüde ins eigene, bequeme Bett.

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nach dem Ausschlafen gleich wieder ans Angeln denken würde.
Ein richtig dicker Zander aus meinem Heimatgewässer, dem Main, rundete für mich dann das Wochenende perfekt ab!
Fischen fürs IGB – Jederzeit wieder!

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