Jean Fertig
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Mein perfekter Tag – Jean

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Aktuell läuft bei Balzer eine Aktion, bei der es mit der Story zu dem „Perfekten Angeltag“ etliche Preise zu gewinnen gibt.
Deswegen veröffentlichen wir hier bereits vorab unsere Geschichten und hoffen, dass sie euch gefallen. Wenn ihr ebenfalls teilnehmen wollt, dann findet ihr die Teilnahmebedingungen hier.
Hattet ihr ebenfalls einen perfekten Angeltag? Meldet euch bei uns und wir nehmen euch evtl. als Gastautor mit in unsere Miniartikelserie auf.

Mein perfekter Angeltag war anfänglich betrachtet eigentlich absolut unperfekt.
Dank der Weihnachtsferien meines Studiums war ich bereits seit dem 18. Dezember bei meinen Eltern zu Besuch. Der Winter hat ja gemeinhin den Ruf zwar nicht viele, aber dafür besonders dicke Raubfische an die Rute zu bringen. Bei mir war das bisher allerdings nie der Fall. Konnte ich bisher jedes Jahr bis rund Mitte Dezember immer viele, besonders große Barsche fangen, so ließen die Fänge danach immer stark zu wünschen übrig. Nicht anders war es dieses Jahr.
Ende Dezember gingen uns noch einige gute Barsche ans Band, aber mehr als ein, zwei Bisse auf unsere Kunstköder waren nie der Fall.

Der Dezember brachte uns noch einige gute Barsche!

Der Dezember brachte uns noch einige gute Barsche!

 

Die letzte Bellyboottour.

Die letzte Bellyboottour.

Die Bedingungen waren meistens miserabel. Aufgeben war dennoch keine Option.

Die Bedingungen waren meistens miserabel. Aufgeben war dennoch keine Option.

Aber für die Zeit, die wir am Wasser waren, war die Bissausbeute objektiv gesehen viel zu niedrig.
Mit dem neuen Jahr wurden die Bedingungen aber noch schlechter. Nachts schneite es, tagsüber taute der Schnee. Und das über mehrere Tage hinweg. Obgleich ich jeden Tag aufs Neue mit dem Belly auf den Main fuhr kam ich über einen einzigen, kleinen Barsch und eine Hand voll Fehlbisse nicht hinaus. Die letzte Bellyboottour mit Sebastian während meiner Ferien war dann der „krönende“ Abschluss.
Nicht einen einzigen Biss konnten wir verzeichnen, Sebastians Wathose wurde undicht und unsere Laune war grandios im Keller.
Rund eine Stunde bevor es dunkel wurde war bei uns dann endgültig die Luft raus. Ich gebe mich allerdings nur ungern geschlagen, und ganz ohne Biss wollte ich nicht nach Hause gehen. Um dieses Ziel zu erreichen wechselte ich zum Abschluss des Tages noch einmal an unseren nahegelegenen Vereinssee. Dort fängt man häufig kleine Schusshechte, die direkt am Ufer stehen.
Und tatsächlich konnte ich innerhalb dieser letzten Stunde dann doch noch drei vorsichtige Fischkontakte zählen, von denen sich einer als untermaßiger Hecht entpuppte. Und das, obwohl der See meiner Erfahrung nach im Winter sonst wie entvölkert ist.

Am nächsten Tag, der mein perfekter Angeltag werden sollte, fragte ich in unserer Whatsapp-Angelgruppe, ob jemand Interesse daran hätte am See vom Boot aus zu angeln. Roman, der dieses Jahr erst neu im Verein aufgenommen wurde, sagte zu. Da er allerdings noch kein Bellyboot besitzt nahmen wir das Kanu eines Kollegen.
Aufgrund des fehlenden Motors bewegten wir uns nur durch die Hand am Arm mittels Paddel fort.
Um möglichst viel Fläche abzufischen schleppten wir bei jedem Stellenwechsel kleine Wobbler nach. Einer paddelte, der andere hielt die Ruten in der Hand, um im Fall der Fälle sofort einen Anschlag setzen zu können. Gleich nach wenigen Minuten hatte ich das Gefühl auf Romans Rute einen Biss zu haben, und übergab ihm nach erfolgreichem Anhieb die Rute. Der vermeintliche Fisch war aber nur eingesammelter Dreck – offensichtlich lief sein Wobbler zu tief und wühlte den Grund auf. Im Winter ja eigentlich keine schlechte Idee. Dennoch wechselte er auf ein flacher laufendes Modell.

Und bald war seine Rute erneut krumm. Dieses Mal war es ganz eindeutig …

…ein dicker Ast, der offensichtlich im Mittelwasser getrieben war.

Nachdem wir den Hotspot, an dem ich am Vortag Fischkontakt hatte, erfolglos angesteuert hatten entschlossen wir uns erneut zu einem Stellenwechsel.
Auf dem Weg dorthin wollte ich aber unbedingt noch eine Kante abschleppen, die am Ende eines Strandes für Badegäste liegt. Roman willigte ein und übernahm erneut die Aufgabe des Galeerensklavens.

Bereits nach wenigen Metern spürte ich ein „Hängen“ meines Wobblers, das ich als Grundkontakt verortete. Ein Freund von mir schrieb einmal in einem Anglerforum: „Alles Verdächtige muss angeschlagen werden!“ und so setzte ich meinen Anhieb.
Entgegen meiner Vermutung war der Grundkontakt aber doch ein Biss. Voller Euphorie gab ich Roman zu erkennen, dass ich einen Fisch gehakt habe.
Roman, der nur erkannte, wie ich den Fisch konstant zum Boot ziehen konnte fragte nur genervt: „Bist du dir diesmal wenigstens sicher, dass es ein Fisch ist, und nich‘ schon wieder ’n Ast?“

Und ja, ich war sicher!
Die schwache Gegenwehr an der feinen Barschrute lies mich entweder einen mittelprächtigen Barsch oder ein ähnlich kleines Hechtlein wie das am Vortag vermuten. Für den Barsch jedoch fehlte das typische Schütteln. Der Fisch lies sich einfach konstant zum Boot ziehen, ohne Anstalten zu machen flüchten zu wollen. Kurz vor dem Boot nahm er dann das erste Mal Schnur und von dem Gedanken des „kleinen“ Hechtleins kam ich sofort ab!

„Wenn das n Hecht is, dann ein ganz schönes Kaliber für den See!“
Nachdem die erste Flucht abgefangen war konnte ich wieder einige Meter Schnur gewinnen, aber der Fisch stellte sich einfach unters Boot.
Und setzte erneut zur Flucht an, bei der mir wieder etliche Meter Schnur von der Rolle gezogen wurden.
„Roman, das wird kein Hecht, ich hab nen Karpfen quer erwischt.“
So war ich mir zumindest sicher, schließlich kannte ich dieses Verhalten von versehentlich mit der Spinnrute gerissen Karpfen.
Nach einigen Minuten Hin- und Her, bei dem sich der Fisch immer wieder unters Boot stellte bekam ich ihn schließlich zu Gesicht.

Den „Karpfen“ – selbst beim ersten kurzen Blick auf den Fisch war klar, dass das zumindest bei seiner Körperform stimmte.
Denn es war tatsächlich ein Hecht, der Größte, den ich seit Jahren am Haken hatte.
Während der Brocken zu einer erneuten Flucht ansetzte beratschlagte ich mich nervös mit Roman, wie wir den Fisch landen sollten. Schließlich passte der nie und nimmer in den Kescher.

„Soll ich ihn mit der Hand landen?“
„Müssen wir wohl – aber ich machs, dann bin ich wenigstens selbst Schuld, wenn ich ihn verliere“.

Die letzte Flucht war wesentlich kürzer als die vorherigen und man merkte deutlich, dass der Fisch ausgedrillt ist.
Nach kurzer Versicherung, wo der Haken sitzt griff ich beherzt hinter den Kiemendeckel und konnte den Fisch auf Anhieb ins Boot hieven, ohne mir eine Hechtmaniküre abzuholen.
„So einen fetten Hecht hab ich noch nie gesehn, nichtmal auf Bildern!“

Man merkte deutlich, wie aufgeregt Roman war, der erst seit letztem Jahr seinen Fischereischein besitzt.
Aber auch ich war extrem erstaunt. Bisher fing ich in dem See nur schlanke bis dürre Hechte. Und jetzt Einen mit einem derartigen Ranzen.
Während ich den Haken löste, der sich direkt in den Kiefer unter einen Zahn gesetzt hatte, ruderte Roman auf den nah gelegenen Sandstrand.
Mit zittrigen Knien und den Hecht fest im Griff stiegen wir aus und legten das Maßband an. Meine Schätzung, dass er den Meter sehr knapp erreichen würde war nicht ganz korrekt. 96cm war das Ergebnis.
Auf ein Wiegen verzichtete ich, aber geschätzt über 20 Pfund sind bei der Wampe sicherlich keine Utopie.

Nach einigen, wenigen Erinnerungsfotos lief ich freudestrahlend ins flache Wasser, ignorierte meine nass werdenden Füße und setzte die Königin des Gewässer schonend zurück. Als wäre nichts gewesen konnte ich ihr noch lange nachblicken, wie sie im klaren Wasser davonschwamm und schließlich in ihrem Element verschwand.

Für mich war der Tag nicht nur perfekt, weil ich einen großen Hecht gefangen habe – sondern auch, weil ich in der letzten Zeit der Kälte, dem Schnee und den Beißflauten getrotzt habe. Dafür wurde ich mit einem wunderschönen Fisch aus einem Gewässer belohnt, in dem ich nie mit ihm gerechnet hätte.

Die Belohnung fürs durchhalten!

Die Belohnung fürs durchhalten!

Definitiv kein schlanker Fisch!

Definitiv kein schlanker Fisch!

 

 

 

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