Jean Fertig
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Mein perfekter Tag – Sebastian

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Aktuell läuft bei Balzer eine Aktion, bei der es mit der Story zu dem „Perfekten Angeltag“ etliche Preise zu gewinnen gibt.
Deswegen veröffentlichen wir hier bereits vorab unsere Geschichten und hoffen, dass sie euch gefallen. Wenn ihr ebenfalls teilnehmen wollt, dann findet ihr die Teilnahmebedingungen hier.
Hattet ihr ebenfalls einen perfekten Angeltag? Meldet euch bei uns und wir nehmen euch evtl. als Gastautor mit in unsere Miniartikelserie auf.

Der perfekte Angeltag/Der Ruf des Wallers – Von Sebastian Schneider

Die Geschichte meines perfekten Angeltags beginnt eigentlich am Anfang des Jahres.
Es ist Frühjahr, das erste frische Grün ist zu sehen, ich besitze nun erst seit einem Jahr meinen Angelschein und bin zu Jahresbeginn einem Fischerverein beigetreten.
Mit zwei Kollegen, die schon lange Vereinsmitglieder sind, befüttere ich seit geraumer Zeit eine Stelle am Main.

Eines Tages fährt ein Auto vor und ein junger Mann steigt aus:
Guten Morgen, mein Name ist Jean, stört es dich, wenn ich mich dazu setze?
Kein Thema, ich habe sowieso gern Gesellschaft beim Angeln.

Mit dem fortschreiten des Jahres entwickelt sich eine echte Angelfreundschaft.
Jean angelt schon seit Jahren an den Vereinsgewässern und konnte mir viele nützliche Tipps geben, was wann wo wie fängt.
Bereitwillig hat er sein Wissen geteilt. Die Zeit verging und wir angelten fast ausschließlich zusammen. Ob Ansitz, ob Spinnfischen, oder Bootsangeln, wir waren ständig zusammen am Wasser. Mit Ende des Frühjahrs begann Jeans „Wallersaison„. Mir fehlte schlicht das nötige Gerät, und so wurde der Karpfen mein Zielfisch. Beim ersten Waller den Jean dieses Jahr überlistete, war für mich klar:

“Passendes Gerät muss her! So einen will ich auch fangen!“

Der Sommer verging und langsam aber sicher hatte ich alle passenden Komponenten beisammen, die man für den Zielfisch Waller braucht.

Eigentlich wollte ich die Montage hier ablegen: So flach, dass man stehen kann.

Eigentlich wollte ich die Montage hier ablegen: So flach, dass man stehen kann.

Ende September waren wir zum letzten Walleransitz des Jahres verabredet. Zuvor war ich bereits einige Male mit meinem Bruder zum gezielten Welsfang unterwegs, Erfolg hatte sich aber nicht eingestellt. Schnell stand unser Camp und wir konnten mit dem Köderfischfang beginnen. Jean hatte Maden sowie Feederfutter besorgt und wieder einmal zeigte sich, dass Jean der bessere Feederangler ist.
Während ich nur zwei kleinere Rotaugen fangen konnte, zeigte mir Jean wies geht und fing die restlichen vier Großen, die wir brauchten. Meine beiden bewahrten wir als Reserve auf, die Anderen wurden sofort in den Einsatz geschickt.  Der Tag neigte sich dem Ende zu und wir mussten noch einige Vorbereitungen treffen. Das Bellyboot musste zum Auslegen der  Montagen aufgepumpt werden, die Steine für die Abrissmontage mussten gebunden werden und etliche andere Kleinigkeiten wollten erledigt sein. Schließlich wollte ich endlich meinen ersten Waller fangen!
Währenddessen besprachen wir unsere Taktik.
Als Stelle hatten wir uns die Nähe eines Turbinenauslaufs einer Staustufe ausgesucht. Wir einigten uns darauf, Jeans Rute an oberster Stelle zu platzieren, die restlichen dann im Wechsel. Mit dem Einsetzen der Dunkelheit zog ich meine Wathose an, setzte mich in die Schwimmhilfe für Erwachsene, mein Bellyboot. Den Stein sowie die  Montage auf den Oberschenkeln paddelte ich in die Gegenströmung, die mich entgegen der Fließrichtung des Mains aufwärts trieb. Jeans erste Rute sollte in einem ufernahen Strudel platziert werden. Ohne Schwierigkeiten gelang mir dies. Von der eigentlichen Strömung erfasst, ging es wieder stromab am Strudel vorbei.
Während ich mich wieder in Richtung Ufer in Bewegung setzte, machte Jean die Angel am Ufer scharf: Rute in den Ständer, Schnur spannen, Glocke anbringen. Wieder an unserer Stelle angekommen, schnappte ich mir den nächsten Stein, während Jean mir die Montage reichte. Als Stelle für diesen Köder hatten wir uns die andere Uferseite ausgesucht, ziemlich abgelegen und fast komplett ohne Strömung. Jetzt begann der wirkliche anstrengende Teil. Schließlich musste ich komplett durch die Auslaufströmung der Turbine, noch ein Stück stromauf und dort dann die Montage ablegen und das ganze noch einmal zurück. Für mich hieß es also:
„Paddeln, paddeln, paddeln.“
Während ich also etwas für meine „Tour-de-France – Karierre“ tat, stand Jean entspannt am Ufer und gab grinsend Schnur von der Rolle frei.

Seit ein paar Wochen hatte es durchgehend geregnet und die Strömung war extrem stark. Jetzt war ich zwar in der richtigen Entfernung zum Ufer, aber viel zu weit unten. Also versuchte ich mich mit aller Kraft gegen die Strömung zu schieben. Es ging nur sehr langsam voran und nach ein paar Minuten merkte ich wie mich die Kraft verließ. Noch weit entfernt von meinem eigentlichen Ziel und ziemlich am Ende meiner Kräfte, ließ ich die Montage in gut zwei Metern Wassertiefe bei mittlerer Strömung irgendwo auf der anderen Mainseite fallen.
Zurück hatte ich keinerlei Probleme: Zurück paddeln, in die Gegenströmung stellen und von ihr zurück zu unserer Stelle treiben lassen.
Am Platz angekommen musste ich mir anhören, dass ich die Montage im Nirvana versenkt hätte, dort gäbe es keinerlei Struktur unter Wasser. Anschließend legten wir noch schnell die letzten zwei Montagen aus.
Danach setzen wir uns, ich erholte mich von der Auslegeanstrengung und wir unterhielten uns über Gott und die Welt. Jean spottete in den folgenden Stunden immer wieder darüber, das ich faktisch lediglich mit einer Rute fischen würde, schließlich läge ja eine Rute mitten in der Pampa.

Gegen 23.30 verspürte ich ein dringendes Bedürfnis. Während ich also einige Meter vom Camp entfernt stehe und an nichts Böses denke höre ich ein Klingeln.  Ich rufe Jean zu, dass er aufhören soll, ich falle nicht darauf rein.

Doch das Klingeln lässt nicht nach, statt Stille höre ich: „Du hast Einen!„.

Mit halb geöffneter Hose stolpere ich zurück, kann gerade noch meinen Gürtel schließen, bevor mir Jean die Rute in die Hand drückt:
„Ist kein Großer”.
Tatsächlich, es war die fehlplatzierte Rute. Ich begann den Fisch an Land zu drillen, während Jean den Kopf schüttelte: „Ernsthaft, an der Stelle?…“

Er stand bereits direkt am Wasser um den Fisch via Wallergriff zu landen.

Kurz vorm Ufer blickte ich in zwei silbrig schimmernde Augen.

„Ist das überhaupt n Waller?“
“Nein”
und direkt darauf: „Das glaube ich jetzt nicht”

Wortlos landete Jean den Fisch, stieg die Böschung hoch und gab ihn mir.

„Da hast du deinen „Waller“. Der Zander kommt an den Meter ran.“

Mein bei weitem größter Zander!

Mein bei weitem größter Zander!

 

Natürlich maß ich sofort nach, während mein Grinsen immer breiter wurde.

93 cm, „Geil“ war jedes zweite Wort von mir.
Nachdem der Zander versorgt war setzten wir uns und mussten uns erst einmal langsam beruhigen. Jean hatte den Fang zeitnah auf Facebook gepostet und beschwerte sich im Netz: „Sebastian, lass die Zander in Ruhe, wir sind beim Wallerangeln!
Bald darauf gingen wir zu Bett, Jean ein wenig zerknirscht, ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
Mit dem Spruch: “Der Schüler hat dem Meister mal wieder gezeigt wie man angelt”, wünschte ich Jean eine unruhige Nacht und schlief mit dem Grinsen ein, das man noch Tage später sehen konnte.
Für mich war klar: Das war mein bester Angeltag – bis jetzt.

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