Dolce Waller – Eine Woche Welsangeln in Italien

Gut gelaunt, aber schon sichtlich müde. Zehn Stunden Fahrt zehren an den Nerven

Dolce Waller

Eine Woche Welsangeln in Italien

Im August 2020 war ich zum ersten Mal zum Wallerangeln in Italien. Zusammen mit einem Freund entschloss ich mich spontan an den Po zu fahren. Dieser Urlaub war, um es kurz zu fassen, sehr herausfordernd. An meinem Hausgewässer kenne ich mich gut aus und im Wallerangeln bin ich ziemlich fit. Der Po ist aber eine andere Nummer. Wesentlich größer, an jeder Ecke potentielle Hotspots, viel mehr Futter für die Welse und ständig wechselnde Bedingungen. Am Ende der Woche hatten wir, obwohl wir alles gegeben hatten, lediglich einen Biss und der blieb nicht hängen.

Für Mitte September hatte ich zusammen mit drei anderen Kumpels erneut einen Urlaub geplant. Wir hatten in einem anderen Camp, an einem anderen Gewässer zwei große Boote für eine Woche gebucht. Aufgrund meiner vorherigen Erfahrung waren hier meine Erwartungen bei weitem nicht mehr so groß, ich ging also entspannt an die Sache ran.

Frühstück im Sonnenaufgang

Den großen Anhänger beluden wir bereits eine Woche im voraus, um direkt Freitag Abend starten zu können. Obwohl wir uns (fast) aufs mindeste beschränkten war sowohl der Anhänger als auch das Auto eng gepackt. Die rund 800km zum Camp fuhren sich bis auf eine kurze Autobahnsperrung hervorragend, sodass wir nach etwa zehn Stunden Fahrt bei einem Cafe direkt zur Öffnung ein Schokocroissant frisch aus dem Backofen genießen konnten.

Nach dem Einchecken holten wir von den abreisenden Gästen der Woche vor uns noch Tipps ein, womit sie fingen, welche Plätze interessant waren und auf was wir achten sollten.
Soweit vorab: Im Gegensatz zu ihnen hatten wir keine 36 Grad und Sonnenschein, sondern den richtigen Herbsteinbruch mit teilweise stundenlangem Dauerregen.

Das Gewässer selbst ist ein großes Gewässersystem, insgesamt etwa zehn Kilometer lang. Der untere Teil ist ein großer See, der obere eine Art Flussdelta mit vielen Kanälen, verschachtelten Abzweigungen und schlussendlich ein richtiger Fluss.
Von den Vorgängern erfuhren wir, dass aktuell im großen See wesentlich besser gefangen wurde, weswegen wir hier die ersten Tage verbrachten.

Sascha und Kai, unser erstes Bootsteam, waren schon öfter hier zum Angeln und führten uns zielsicher an einen Platz, den sie in der Vergangenheit schon erfolgreich befischt hatten. Nach kurzer Absprache, wer wo ankert und wo seine Montagen platziert wird, richteten wir unsere Plätze ein.
Rund 40m vom Ufer entfernt ankerten Sebastian und ich.
Außer dem Anker nutzten wir noch Tarnnetzstangen von der Bundeswehr um unser Boot an Ort und Stelle zu halten. Diese Stangen ließen sich hervorragend im extrem schlammigen Gewässergrund fixieren.

Selbst erstellte Tiefenkarte

Anschließend daran erkundete ich den Platz mit dem kleinen Beiboot und dem Echolot genauer. An diesem Gewässer darf pro Mann mit drei Ruten geangelt werden, es galt also genügend interessante Stellen für sechs Köder zu finden.

Hier spielte das große Echolot voll seine Stärken aus. Mit der GPS- und Kartenfunktion ist es relativ einfach möglich sich schnell eine eigene Gewässerkarte zu erstellen. So fuhr ich den Bereich um unser Boot ab, suchte Kanten, Hindernisse, Krautbänke und sonstige potentielle Hotspots unter Wasser. Fand ich einen solchen, setzte ich mir per Knopfdruck schnell eine Markierung auf dem Echolot und hatte relativ schnell genügend Plätze beisammen. Bis auf eine Bonusrute, legten wir alle Köder auf flache Plätze Richtung Ufer, hatten an solchen Stellen doch unsere Vorgänger gefangen.

 

 

 

Der Fangplatz der ersten Nacht

Die Bonusrute wurde Richtung Seemitte etwas tiefer über Krautfahnen angeboten. Die ersten Nächte galt es für uns zuerst herauszufinden, welche Montagen und Hakentypen fingen. So hatte ich sechs verschiedene Vorfächer gebaut. Monofiles und Geflochtenes Vorfach, große und kleine Uposen, Einzelhaken, Haarmontage, Drillingssysteme, kurze und lange Vorfächer – wild durcheinander gewürfelt um möglichst schnell herauszufinden, was funktioniert.

Auch war noch nicht klar, wie wir die Köderfische anködern sollten. In Italien ist es erlaubt mit lebenden Köderfischen zu angeln. Um also um stehenden Gewässer keine Vorfachverwicklungen zu haben, muss man sich genau überlegen, wie man den Fisch am sinnvollsten einhängt. Gegen Ende der Woche hängten wir alle Köderfische in der Nase ein, da das wider erwarten keinerlei Verwicklungen produzierte.

Wenig Platz war an der Tagesordnung. Man sollte sich vor so einem Urlaub genau überlegen, ob man mit dem Angelpartner eine Woche auf engstem Raum hausen kann.

Kurz nach der Dämmerung kam ein kleines Boot in voller Festbeleuchtung auf uns zugefahren. Es wurde auf Italienisch bis sechs gezählt (offensichtlich unsere Ruten) und von der Polizeikontrolle in gebrochenem Englisch nach unserer Angelerlaubnis gefragt. Unkompliziert Scheine übergeben, alles okay. Man wünschte uns noch viel Erfolg und fuhr zu Sascha und Kai weiter. Kurz darauf hörten wir ein Poltern und Sascha aufgebracht „EYEYEY“ brüllen.

Am nächsten Morgen klärte sich das auf: Die Beamten waren ziemlich schnell ans Boot rangefahren, ließen sich dann im Leerlauf hingleiten, Sascha wollte das Boot etwas abfangen und der Mann am Steuer mit dem Rückwärtsgang bremsen. Stattdessen erwischte er aber den Vorwärtsgang, gab Gas und rammte unsere Leute heftig im Heckbereich. Die Kontrolle verlief dann überaus schnell und war den Beamten wohl mehr als peinlich.

Sebbo und ich hatten bereits im Voraus ausgemacht, dass wir abwechselnd drillen. Den ersten Fisch übernimmt der Rutenbesitzer, und dann wird abgewechselt. So sollte es fair bleiben und jeder etwa gleich viel fangen.

Der erste Waller

Direkt in der ersten Nacht versenkte ich aus Unachtsamkeit meine Kopflampe im See.
Zwei Stunden später hätte ich sie gut brauchen können, denn ausgerechnet die Bonusrute lief ab. Der Fisch ließ sich schnell ans Boot führen, ich erwartete ein kleines Exemplar. Dann gab er allerdings Gas, sammelte eine unserer Ankerstangen ein und ich befürchtete er würde auch noch ein oder zwei andere Ruten einsammeln.

An diesem Gewässer ist es Vorschrift seine Schnüre abzusenken. Heißt nah am Boot einen weiteren Stein mit Reißleine in die Schnur binden, um keine anderen Wassersportler zu stören. Diese Regel ist sinnvoll, um Probleme im Vorfeld zu vermeiden, allerdings wird es im Nahbereich beim Drill dann gefährlich, wenn man vom Hauptboot aus drillt. Dennoch lief alles gut und ich konnte einen Wels mit 189cm landen.
Die restliche Nacht verlief ruhig, aber der Start war gut geglückt.


So befischten wir in der zweiten Nacht einen ähnlichen Platz mit beiden Booten, wobei wir mehr Ruten gen Seemitte ablegten. Bis auf nicht erwähnenswerte Anfasser blieb es aber sowohl bei Kai und Sascha als auch bei Sebbo und mir komplett ruhig.
Zurück im Camp hatten die anderen Teams aber teilweise schon Fische mit 2,20m auf der Habenseite, was uns etwas nervös machte.

Wir entschieden uns folglich in der dritten Nacht für „Lotusplätze“. Der See hat einige extrem große, dichte Lotusfelder, die von schmalen Gängen durchzogen sind. An solchen Plätzen hatten die anderen Teams gefangen, weswegen wir das nun ebenfalls versuchen wollten. Mittlerweile hatten Sebbo und ich alle Ruten auf Monofiles Vorfach in 1,0mm umgerüstet. Früher nutzte ich ausschließlich Geflecht. Anfang des Jahres bekam ich von „Der Ausleger“ einige monofile Muster, die ich eher aus Höflichkeit, denn aus Überzeugung testete. Im Laufe dieser Testphase wurde ich aber restlos von Mono überzeugt. Ich hatte gefühlt weniger Fehlbisse, die Fische hingen sauber und im Vergleich zu anderen Monos war dieses Vorfach auch relativ flexibel und leicht knotbar.
Auch die Länge war nun bei allen Vorfächern mit 1,80m-2,20m relativ gleich.

Sebbos erster Fisch

In der zweiten Nacht hatten wir gemerkt, dass die Köderfische mit System und Drillingen nicht sauber arbeiten konnten, weswegen wir auch alle Vorfächer auf Haarmontagen umbauten. Bei den Uposen waren wir uns noch nicht sicher. Deswegen hatten wir in der dritten Nacht von komplett ohne Upose bis 30g sämtliche Größen im Einsatz.

Der Durchgang im Lotusfeld, an dem Sebastian und ich ankerten war zugleich der Zugang zu zwei großen Nebenseen, deren Eingänge starke Kantenstrukturen aufwiesen. So platzierten wir wieder fünf Ruten Lehrbuchmäßig an diesen Kanten direkt am Lotus. Gerade eine Vorfachlänge davon entfernt, sodass der Köderfisch die Stängel nicht erreichen kann. Die sechste Rute setzten wir genauso ab, nur ohne dass sich am Grund irgendwelche besonderen Strukturen abzeichneten. Sascha und Kai hatten sich einen ähnlichen Platz ausgesucht und wir unterhielten uns immer wieder über unsere Funkgeräte. Der Regen, der in dieser Nacht aufkam sollte uns dann die restliche Woche begleiten.

Schon bei der Ausfahrt war klar, dass das Wetter unangenehm werden wird.

Sebbo und ich konnten in dieser Nacht drei Bisse verzeichnen, wovon wir lediglich den unserer Bonusrute ohne Struktur und komplett ohne Upose verwandeln konnten. Nachdem wir den etwa metrigen Fisch versorgt hatten, war auf der Abhakplane noch etwas Schlamm, den der Fisch wohl mitbegracht hatte – Dachte ich. Die Idee an diesem „Schlamm“ zu riechen sorgte dafür, dass ich mehrere Minuten würgend über der Bordwand hing und Sebbo nicht mehr mit dem Lachen aufhören konnte.

Am Morgen meldeten sich Sascha und Kai wieder über Funk, auch ihre Bonusrute ohne Struktur direkt am Lotusfeld hatte einen Biss gebracht. Beim Vermessen zeigte sich, dass Saschas Waller knapp an der Zwei-Meter-Marke vorbeischrammte. Über den Urlaub etablierte sich dann die augenzwinkernde Aussage, dass man wenn man nur hart genug anschlägt aus einem 198cm-Fisch einen mit zwei Metern machen kann. Das Ausmaß der Misere offenbarten die beiden uns erst später. Im Drill war Sascha die Rute direkt an der Zapfverbindung gebrochen, der Drill wurde also mit nur einem Rutenring vollendet.

Der zweite große Fisch – die Freude ist groß

Glücklicherweise hatten wir noch eine Ersatzrute dabei, weswegen beide Teams mit 6 Ruten weiter arbeiten konnten.

Ein selbstgemachtes Bärlauchpesto mit Steak und Tagliatelle stärkte uns vor der Ausfahrt zur vierten Nacht, die schon vorab Regenwetter und Sturm ankündigte. Eigentlich wollten wir einen Platz mitten im See mit zwei Booten befischen, wegen des starken Windes gelang es uns aber nicht die Boote auf Position zu halten. Der einsetzende Starkregen und die heftigen Böen veranlassten uns dazu vorerst am Ufer Deckung zu suchen. Der Regen lies nach/, aber der Wind blieb. Deswegen verankerten wir die Boote Ufernah, befischten die alte Flussrinne im Stausee Richtung Lotusfeld. Ernüchternderweise gab es bei beiden Booten die ganze Nacht über keinen Biss.

So kehrten wir ins Camp zurück und unterhielten uns mit dem anderen Teams. Der Regen sorgte dafür, dass im oberen, verwinkelten Seeteil viel Wasser und Dreck auf dem Fluss kam. Ein Pärchen hatte dort in der Nacht mehrere Bisse, konnten aber keinen Fisch landen. Auch ihnen brach eine Rute während des Drills. Für uns vier war also klar, dass wir es in der kommenden Nacht im oberen Gewässerteil versuchen wollten.

Mittags gingen wir mit dem Campleiter essen. In einem versteckten Steakhouse gab es für jeweils zwei Personen ein Tomahawk-Steak. Exzellente Fleischqualität zu moderatem Preis, als Nachtisch ein Tiramisu aus dem Blumentopf. Könnte man jeden Tag verspeißen.

Tomahawk-Steak

Direkt vor der Ausfahrt sprachen wir noch kurz mit dem Paar, damit wir uns nicht auf deren anvisierten Platz setzten. Wo genau dieser ist konnten sie uns nicht beschreiben, aber sie versicherten uns, dass dieser weit genug weg wäre.

Wenn Sascha Essen hat ist er glücklich

Der Campleiter hatte uns beim Essen einen Bereich empfohlen, den wir uns genauer anschauten. Sascha und Kai fanden schnell ihren Platz, Sebbo und ich fuhren nur etwas weiter Stromauf. Ein vom Wasser aus perfekter Platz zeigte sich. Richtig Struktur unter Wasser, mehrere Verzweigung mit Strömung, Wasserverwirblungen und brauner Kaffeebrühe – hier stank es förmlich nach Wallern.

Kaum hatten wir die Ankerposition gefunden, tauchte das Pärchen um die Flussbiegung auf, wir hatten uns natürlich ihren angedachten Platz ausgesucht. Nach kurzem Abchecken der Situation einigten wir uns darauf, dass sich unser Boot eine andere Ecke sucht. Das stellte sich im Nachinein als die richtige Entscheidung heraus.

Wir fuhren wieder Stromab, vorbei an Sascha und Kai und entschieden uns für eine Schmalstelle. Eine Außenkurve mit Rinne direkt am Ufer, das stark unterspült war, erregte meine Aufmerksamkeit.

Der Campleiter mit einem richtigen Seeungeheuer

Die Arbeitsteilung war nun routiniert. Ich begutachte den Angelplatz mit Beiboot und Echolot, Sebastian bereitet die Steine für die Montagen und das gesamte Hauptboot vor.
Die unterspülte Außenkurve war von der Struktur her so interessant, dass ich hier drei Montagen setzte. Im Auslauf, der Mitte und am Ende der Rinne, direkt am Ufer. Kleine, große und gar keine U-Pose kamen zum Einsatz. Durch die Strömung wurden also die Köderfische direkt in die Unterwasserhöhle gedrückt. Die anderen drei Ruten platzierten wir an taktisch klugen Plätzen, wie hinter einem ins Wasser hängenden Gebüsch, an einer Kante vor Seerosen und hinter der Ausbuchtung einer Innenkurve.

Beim Funken mit unserem anderen Boot hatte sich der Campleiter bei ihnen gemeldet, er saß zufällig nur 150m Luftlinie von uns weg hinter der nächsten 90°Grad-Biegung.

Über die erste Nachthälfte verteilt kam auf jede unserer drei Rinnenruten ein Biss, wovon wir aber lediglich einen verwandeln konnten. Früh morgens meldete sich dann der Campleiter bei uns, ob wir ihm einen Fisch fotografieren würden.
Beim gemeinsamen Essen hatten wir noch darüber gesprochen, was hier sein Personal Best ist. Nun hatte er ihn in dieser Nacht auf 2,55m verbessert. Eine Granate von einem Fisch. Man kennt solche Exemplare von Videos und Bildern, aber wenn man sowas live erlebt ist es eine ganz andere Hausnummer!

Für uns war also klar, dass wir in der fünften Nacht wieder im oberen Gewässerbereich angeln würden. Sebbo und ich hatten uns vorab über Google Maps schon ein interessantes Stück gesucht, das wir uns vor Ort ansehen wollten.

Sebastians erster Fang. Das Glück ist greifbar!
Bewachsen, verzweigt – an jeder Ecke könnte ein Bartelmonster lauern

Zahlreiche Seerosenfelder, mehrere Verzweigungen, von denen eine sehr schnelle Strömung von uns weg führte, Kleinfisch auf dem Echolot – hier mussten wir bleiben. Gut, dass wir früh aus dem Camp gefahren sind. An uns kamen mehrere Boote vorbei, die eher missmutig feststellen mussten, dass wir bereits festgemacht hatten. Ein weiterer Angler fragte uns, bis wie weit nach oben wir unsere Montagen legen wollten, um uns nicht in die Quere zu kommen. Er kennt das Gewässer offensichtlich sehr gut und gab uns einige Tipps, wie wir unsere Montagen platzieren sollten. Als er dabei fragte, wieso ich anfange so breit zu grinsen, sagte ich ihm, dass ich bereits mit dem Echolot unterwegs war und fünf von sechs Ruten so gesetzt hätte, wie er uns vorschlug.
Ein gutes Zeichen!

Gegen Mitternacht bekamen wir im strömenden Regen den ersten Biss. Sebbo war am Drillen, der Fisch setzte sich in einem Seerosenfeld hoffnungslos fest. Ich fuhr also mit dem Beiboot zum Fisch und befreite ihn. Sebbo konnte den Fisch landen. Allerdings hatte dieser den Köderfisch ohne Rücksicht auf Verluste gepackt und bereits bis hinter den Schlund gewürgt. Wie also den Haken lösen, ohne den Waller abschlagen zu müssen? Augen zu und durch. Sebbo hielt den Waller am Kiefer, während ich mich am Vorfach entlang tastete und die Haarmontage aus dem Magensack löste. Obwohl es immer noch in Strömen regnete, setzten wir die Rute neu. Nass waren wir sowieso schon. Und ich konnte mir den Köderfischeimer im Beiboot sparen, schließlich standen 20cm Regenwasser darin.

Abgetrocknet, wieder warm eingepackt, im Schlafsack liegen, perfekt! Noch nicht ganz eingeschlafen und die nächste Rute wurde krumm gezogen. Nach kurzem Drill zeigte sich ein wunderbar gefärbter Waller, in etwa die selbe Dimension wie der zuvor. Auch hier hing der Haken wieder extrem tief. Aber jetzt wusste ich ja, was zu tun war.

Einige der Waller hatten eine unglaublich schöne Färbung
Kai mit einem dicken 1,80er

Eigentlich erwarteten wir, dass es jetzt Schlag auf Schlag geht, wir bekamen aber keinen weiteren Biss.

Kai und Sascha, die noch ein ganzes Stück weiter Stromauf gefahren waren konnten uns am Morgen ebenfalls zwei Waller präsentieren, wobei der von Kai mit 1,82m der größte der Nacht war. Deren Fische hatten aber den Anstand erst nach dem Regen zu beißen. Nun hatte jeder einen Großen, bis auf Sebbo. Zurück im Camp angekommen tauschten wir uns wieder mit den anderen Teams aus. Der, der sich ein Stück oberhalb von uns niedergelassen hatte, hatte wohl einen richtig guten Kontakt. Die Rute brach beim Biss in der Morgendämmerung, der Fisch riss ab. Der dritte Rutenbruch, den wir in dieser Woche mitbekamen.

Kurioserweise bekam unser Boot davon nichts mit, aber anderthalb Kilometer weiter unten beim nächsten Team verwickelte sich der Waller wohl mit der Schnur in einer Montage. Aber auch diese zweite Chance ging daneben und der Fisch konnte nicht gelandet werden.

Wir vier waren wohl die einzigen, die in dieser Nacht gefangen hatten.
Auf diesen Erfolg durfte es zu Mittag eine echte Mafiatorte sein, zu der uns auch wieder der Campleiter begleitete.
Der Platz, den Kai und Sascha in der Nacht befischt hatten, war der Eingang zu einem sehr versteckten Pool. Die beiden wären nie auf die Idee gekommen, in der Folgenacht da hinein zu fahren, wenn nicht ein Italienier am Vortag mit Vollgas durch das Lotusfeld vor dem Eingang gefahren wäre. Diesen Pool wollten wir eigentlich mit beiden Booten in der Nacht beangeln.
Vor Ort zeigte sich aber, dass es mit zwei Booten einfach zu eng geworden wäre.
Außerdem waren die Windböen teilweise erneut bis zu 60km/h stark und die windgeschützen Plätze im Pool waren knap bemessen, sinnvoll Angeln wäre also nicht möglich gewesen.

So waren Sebbo und ich zum dritten Mal in dieser Woche darauf angewiesen, kurzfristig den Plan umzuwerfen und uns in kurzer Zeit etwas neues zu suchen. Wir fuhren also aus Pool und noch etwas den Hauptfluss hinauf. Eine Stelle sah auf dem Echolot vielversprechend aus, aber hundertprozentig überzeugt waren wir nicht.

Sascha und Kai haben im Pool mengenmäßig richtig zugeschlagen. Den Großen haben sie aber im Drill verloren.

Aber die Zeit drängte. Erfahrungsgemäß mussten wir um halb sechs das Boot verankert haben, um mit unserem restlichen Ablauf aus Platz ausloten und Montagen setzten noch vor Einbruch der Nacht fertig zu sein.
Es kam leichter Stress auf, wir fuhren wieder Stromab.
Ein ganz unscheinbares, gerades Stück im Hauptfluss wollte ich aber dennoch langsam befahren und eventuell als den Platz der letzten Nacht auswählen. Aber nicht nur die Strukturen waren hier die limiterende Faktoren. Es musste ein windgeschützter Ankerplatz vorhanden sein, sechs Ruten waren unterzubringen und im Falle eines Drills auch genügend Platz dafür vorhanden sein. Schließlich entschied ich mich doch für das gerade Stück.

Ausfahrt zum Fischzug

Abwechselnd Seerosenfelder rechts und links, eine langsam abfallende Kante hinter uns, ein sehr kleiner Nebenarm – und ein Flachbereich, halb umrahmt von Schilf zum windstillen Ankern. Das war unsere Entscheidung für die letzte Nacht.
Wie gehabt ging die Arbeitsteilung schnell von der Hand. Sebbo kümmerte sich ums Hauptboot, ich erstellte mit dem Echolot eine Tiefenkarte rund um den Angelplatz. An interessanten Stellen setzte ich mir direkt eine Markierung auf der Karte. So hatte ich schnell zehn potentielle Punkte für unsere Ruten beisammen. Da in den letzten Tagen Plätze mit rund zwei Metern Wassertiefe Bisse gebracht hatten, priorisierte ich diese Plätze. Zuerst setzte ich vier Montagen ab, an Plätzen, die definitiv einen Köder verdient hatten. Außerdem waren diese Plätze in komplett unterschiedlichen Richtungen, sodass wir im Falle eines Drills keine Probleme bekommen würden. Dazu zählte die Kante hinter uns. Ich war mir hunderprozentig sicher, dass wenn ein Biss kommt, dann auf dieser Rute.

Anschließend setzte ich noch die fünfte Rute Stromauf, um auch hier genug Platz zu haben. Nun gab es für die sechste Rute noch vier interessante Plätze, von denen allerdings jeder Nachteile hatte. Einer von der Struktur nicht besonders interessant, ein anderer zu nah am Boot, ein weiterer hätte im Drill Probleme mit den abgesenkten Schnüren der anderen Ruten gemacht und der letzte sehr weit entfernt. Ich erklärte Sebbo jeden Platz mit den Vor- und Nachteilen und wir entschieden uns für ein kleines Plateau in zwei Metern Tiefe vor einem Seerosenfeld auf der gegenüberliegenden Seite. Relativ nah am Boot, potentiell gefährlich für die nächste Rute Stromab, aber ein guter Platz und unkompliziert zu beangeln.

Durch den kalten Wind war ich schon ordentlich durchgefroren, weswegen ich zügig im Sitzen einnickte. Sebbo funkte noch mit Sascha und Kai.
Die beiden hatten bis dato schon mehrere Bisse und zwei Waller gefangen, deren Angelei artete in Stress aus mit Waller versorgen und Montagen neu setzen. Ich ärgerte ich insgeheim etwas, nicht doch mit den beiden im Pool geankert zu haben.

Ich wachte auf, als Sebbo den beiden durchgab: „Der Köderfisch ist nervös – BISS.
Es war genau die Rute, bei der wir noch wegen des genauen Ablegeplatzes diskutiert hatten.

Die Glocke hämmerte laut gegen den Rutenblank und ich war nun endgültig wach. Während Sebastian damit kämpfte, die Komplett krumme Rute aus dem Ständer zu bekommen, funkte ich Kai und Sascha nur schnell durch: „Sebbo hat n Biss, das ist ein richtig guter Fisch!“. Im Hintergrund sang die Bremse. Ich hatte diese nach dem Auslegen relativ stramm geschlossen, ein Fisch konnte nur schwer Schnur abziehen.

Sebbo mit DEM Fisch der Tour.

„Leck mich am Arsch!“ „Das ist eine Maschine!“ „Ich glaub da hängt ne Kuh dran!“ „Immerhin ist die Schnur jetzt stramm aufgespult!“ und ähnliche Sätze fielen des Öfteren während des Drills.
Das permanente Vibrieren der Glocke an der nächsten Rute machte uns klar, dass der Fisch diese definitiv mit eingesammelt hatte.
Die Fluchten wurden dann kürzer und es stand endgültig fest, dass der Waller in der Hauptschnur der nächsten Rute nach dem Absenkstein hängt. Ich sprang also aus Beiboot, fuhr zu dieser und versuchte herauszufinden, wie heftig die Verwicklung war. Dabei bekam ich Sebbos Vorfach zu greifen und sah einen gigantischen Kopf im Wasser unter mir. Ich habe schon einige große Fische gesehen, aber mir blieb schlicht und einfach der Atem weg. Sebastians Rufen vom Hauptboot aus weckte mich aus der Schrecksekunde: „Hab ich das gerade richtig gesehen?!“
„Du hältst leicht auf Spannung, den Rest mache ich!“
Glücklicherweise war die Verwicklung nicht gravierend

Der Regen war unser treuster Begleiter

Ich ließ das Vorfach los, griff mir die Hauptschnur der zweiten Rute, riss den Absenkstein ab, fuhr zurück zum Hauptboot und ging mit der Rute zweimal um Sebbos gespannte Schnur. Der Fisch war wieder frei. Der restliche Drill verlief unkompliziert, lediglich die Landung gestaltete sich schwierig. Der Waller hatte einen dermaßen breiten Unterkiefer, dass das Greifen schwierig war. Das Ziehen ins Hauptboot scheiterte fast schlicht an der schieren Masse des Fisches.

Fast wie bestellt krönte die letzte Nacht unseren Urlaub. Wir brauchten mehr als ein paar Minuten, um wieder klar zu werden.
Später in der Nacht hatten wir noch einen Fehlbiss auf die Rute, von der ich überzeugt war einen Biss zu bekommen, einen kleinen Waller konnte ich noch später fangen.

Sebastians Waller blieb knapp unter der 250cm-Marke.
2,48m und geschätzt über hundert Kilo ist ein Fisch, den man nicht alle Tage fängt und der einem alles abverlangt. Da bleibt nichts, als ein dickes „Petri Heil!“ zu wünschen.

Frisst Fische, Enten, Schwäne, Dackel und kleine Kinder. Der Endgegner
Simpel, aber fängig. Die Haarmontage, mit Mono gebunden

Am Samstag stand dann endgültig die Heimreise an. Nachdem das nasse und nach Fisch stinkende Material sicher im Hänger verstaut war, zuckelten wir gen Norden. Unterwegs ließen wir die Woche dann beim Abendessen in einem bayerischen Wirtshaus ausklingen und kamen nachts heil zuhause an.

In Summe konnten wir insgesamt 13 Waller zu viert fangen, jeder hatte einen Fisch über 1,80m und auch die Verteilung pro Angler war in etwa gleich. Die Woche hat uns einmal mehr gezeigt, dass man sich beim Wallerangeln nicht auf sein festgefahrenes Schema verlassen darf, sondern sich immer wieder umstellen muss. Hatten wir zuerst Startschwierigkeiten und Probleme uns zurecht zufinden, so wurde es im Laufe des Urlaubs immer besser und zum Schluss konnten wir richtig auftrumpfen. Der Austausch mit anderen Campmitgliedern, genaues Lesen der Gewässerbedingungen und ein akribisches Beobachten, welche Montagen und Methoden Kontakte brachten sorgten dafür, dass wir am Ende konstant fangen konnten.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen drei Mitfahrern für einen sehr angenehmen, spaßigen und nahezu perfekten Urlaub bedanken! Der nächste Trip ist bereits in Planung.

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