Norwegen und der Fang des Lebens

In diesem Blogbeitrag möchte ich mit euch gemeinsam auf meinen letzten Norwegen-Trip und den Fang meines Lebens zurückblicken. Einen Heilbutt zu fangen, war schon immer ein großer Traum von mir. In den letzten Urlauben wurde mir dieses Glück allerdings immer wieder verwehrt. Bei meinem letzten Trip mit meinen Kumpels im Jahr 2019 hatte Christoph eine richtige Granate am Haken, die ich leider beim Versuch, den Fisch zu gaffen, unfreiwillig vom Haken gelöst habe. In Bezug auf den Heilbutt lag offensichtlich lange ein Fluch auf mir. In diesem Jahr sollte allerdings alles anders werden. Aber der Reihe nach…

Los ging es Ende Mai mit 5 Kumpels. Mit Dirk und Christoph waren zwei alte Norwegen-Hasen dabei – Max, Joko und Kreutzi freuten sich auf ihr erstes Mal im gelobten Land. Wie immer ging es ins schöne Sommersel Fishing Camp. Mit direktem Blick auf die Lofoten… Da wir die Gegebenheiten und Leute vor Ort bereits ganz gut kennen, machten wir uns ehrlich gesagt gar keine Gedanken um eine andere Location.

Im Gegensatz zu den letzten Trips in den hohen Norden entschieden wir uns allerdings erstmals gegen die Nutzung eines privaten PKW. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass wir neben all den Angeltackle viel zu viel mitschleppen wollen: Bier, Beilagen, Snacks, Grillzeug und vieles mehr. Vor Ort in Norwegen sind die Einkaufsmöglichkeiten sehr begrenzt. Und alles ist deutlich teurer als in Deutschland. Um in diesem Urlaub auf der sicheren Seite zu sein, entschieden wir uns für einen VW T6 9-Sitzer, den wir über Carlundcarla.de buchten. Im Gegensatz zu anderen Autovermietungen lag der Vorteil hier vor allem in den unbegrenzt dazu buchbaren Frei-Kilometern. Schließlich kommt man bei An- und Abreise auf 5600km.

Nachdem wir an einem Mittwochabend gemeinsam alle Utensilien ins Auto gequetscht hatten, ging es endlich los. Die 36 Stunden Hinfahrt (mit Pinkeln und Tanken als einzige Unterbrechungen) sind bei so viel Vorfreude kein Problem (nach 10 Tagen Angeln sieht die Sache auf der Rückfahrt natürlich völlig anders aus…). Über Dänemark und Schweden ging es dann in den hohen Norden. Wie geil sich die Landschaft ab Lappland einfach ändert… Das muss man mal gesehen haben. Traumhafte Seen, Flüsse und Ortschaften. Und dunkel wurde es um die Jahreszeit in dieser Region schließlich auch nicht. Irgendwann sahen wir die ersten Elche und in der noch mit Schnee bedeckten Region ab dem Polarkreiscenter gab es auch die ersten Rentiere zu sehen. Ein Träumchen!

Was für eine Landschaft… Und das rund um die Uhr
Was für eine Landschaft… Und das rund um die Uhr
Der Bus von Carlundcarla.de vor schneebedeckter Kulisse. Und das Ende Mai…
Der Bus von Carlundcarla.de vor schneebedeckter Kulisse. Und das Ende Mai…
Die ersten Rentiere sahen wir bereits an der Grenze zwischen Norwegen und Schweden
Die ersten Rentiere sahen wir bereits an der Grenze zwischen Norwegen und Schweden
Kalt war’s…
Kalt war’s…

Das Camp erreichten wir dann etwas übermüdet, aber voller Vorfreude am Freitagmorgen. Nachdem wir unsere beiden Holzhütten bezogen hatten und ein erstes Bier auf die Ankunft zischten, ging es auch direkt aufs Wasser. Die beiden für uns reservierten Boote ließen keine Wünsche offen. Mit 50 bzw. 80 PS ging es schließlich aufs Meer hinaus.

So sehen die Boote im Camp aus.
So sehen die Boote im Camp aus.

Das Wetter schien zunächst mitzuspielen. Auch die Fische hatten Bock und neben einigen Köderfischen, die wir für unsere Heilbuttjagd vorgesehen hatten, bissen auch die ersten dicken Dorsche.

Köhler in dieser Größe machen mega Bock und eignen sich ideal als Köderfisch.
Köhler in dieser Größe machen mega Bock und eignen sich ideal als Köderfisch.
Dicke Dorsche muss man hoch im Norden nicht lange suchen.
Dicke Dorsche muss man hoch im Norden nicht lange suchen.
Traumhafte Hütten mit allem, was man als Angler so braucht.
Traumhafte Hütten mit allem, was man als Angler so braucht.

Als wir uns schließlich für ein riesiges zerklüftetes und verhältnismäßig flaches Revier zwischen Lofoten und Festland entschieden, merkten wir, dass das Wetter zunehmend kabbelig wird und die Wellen immer höher werden. Mit einer Drift von fast 3km/h setzte ich mich ins Boot und ließ einen fetten Gummifisch am 80g-Jigkopf ins Wasser, als meine Rute plötzlich immer schwerer wurde. Ein Hänger war ausgeschlossen. Dafür hatte ich viel zu hoch eingekurbelt. Ein Fisch hing an meiner Rute. Nach der ersten Flucht war klar, mit wem wir es hier zu tun hatten. Ich habe mich in meinem Leben schon über so viele Fische gefreut, aber noch nie so sehr wie an diesem Tag über meinen ersten Heilbutt! So oft hatte ich schon die Chance dazu und nie war es mir vergönnt. Als der 1,11m lange Plattfisch auf meinen Armen lag, war ich einfach nur glücklich.

 Kaum zu glauben – mein erster Heilbutt!
Kaum zu glauben – mein erster Heilbutt!

Doch die nächsten Tage sollten noch besser werden, wie ihr auch in diesem Video und auf den folgenden Bildern sehen könnt.

Neben fetten Dorschen und einigen Überraschungsfängen konnten wir mit der gesamten Truppe insgesamt 12 Heilbutts fangen. Dass ich gleich 4 davon erwischen durfte, ist mir immer noch unbegreiflich. Am besten funktionierten in diesem Urlaub tatsächlich Naturköder. Hierfür suchten wir vorher gezielt Seelachs-Schwärme auf dem Echolot. Mit schnell geführten Pilkern zwischen 50 und 100g ging es Schlag auf Schlag. Als Köderfischgröße eigneten sich Köhler zwischen 40 und 60cm am besten. Diese fingen sowohl am großen Circlehook als auch am sogenannten 360°Rig. Wie das Ganze in der Praxis aussieht, könnt ihr auch im oben genannten Video sehen.

Ein typischer Dorschberg mit Futterfisch. Links daneben eine Rinne, die über mehrere 100m konstant 40m Tiefe hat.
Ein typischer Dorschberg mit Futterfisch. Links daneben eine Rinne, die über mehrere 100m konstant 40m Tiefe hat.
So sieht der Köder am sogenannten 360° Rig aus. Dieses System lässt sich auch kostengünstiger selber basteln.
So sieht der Köder am sogenannten 360° Rig aus. Dieses System lässt sich auch kostengünstiger selber basteln.

Am besten funktionieren diese Montagen bei einer gewissen Drift zwischen 1 und 2,5km/h. Wichtig ist, dass man dementsprechend das Gewicht auswählt, sodass der Köder problemlos im unteren Drittel der Wassersäule läuft. Der Heilbutt lauert mit den Augen nach oben gerichtet auf seine Beute und auch Köder 20m über Grund wecken sein Interesse. Am liebsten fischten wir Driften an eher monoton sandigen Stellen zwischen typischen Dorschbergen in 40 bis 60m Tiefe.

Da hat es bei Christoph gerappelt!
Da hat es bei Christoph gerappelt!
Auch schöne Beifänge sorgten täglich für schöne Abwechslung
Auch schöne Beifänge sorgten täglich für schöne Abwechslung

Als ich gegen Mitte des Urlaubs auf einen Köhler mit 50cm erst ein Nuckeln in meiner 30-50lbs Rute spürte, das zunehmend vehementer wurde und ich mich schließlich für einen Anhieb entschied, schlug ich gefühlt in eine Wand und der Drill meines Lebens begann. Nach mehreren brachialen Fluchten und dank der Hilfe meiner Kumpels an Bord konnte ich den Fisch meines Lebens in die Kamera halten – einen Heilbutt von 1,55m. Mir tat alles weh. So sagte ich am Folgetag, dass ich keinen Heilbutt mehr bräuchte. Und zack – 3 Minuten später war die Rute wieder krumm. Mit einem weiteren Fisch von 1,36m. Einfach unglaublich. Das macht wirklich süchtig. Auch meine Kumpels fischten sich die Finger mit dicken Platten wund. Immer wieder waren es Naturköder in Kombination mit klassischen Meeresruten zwischen 30 und 50lbs.

So glücklich wie noch nie beim Angeln – mein größter Heilbutt überhaupt.
So glücklich wie noch nie beim Angeln – mein größter Heilbutt überhaupt.

Aber auch auf Gummifisch ging einiges, auch wenn es in Bezug auf Heilbutt ein paar Aussteiger zu beklagen gab. Hierfür eignen sich am besten Gummis zwischen 15 und 25cm in den bekannten Norwegenfarben (z.B. Rot, Blau-weiß, Pink, Orange etc.). Beim Angeln mit Gummifischen in Norwegen bevorzuge ich persönlich schwere Spinnruten, die ich auch an heimischen Gewässern für die Hechtjagd benutze (2,50-2,70m bis 150g WG).

Rot geht immer!
Rot geht immer!

Bei der Führungstechnik setze ich vor allem aufs Faulenzen und Jiggen. Meiner Erfahrung nach funktioniert diese Technik vor allem bei geringer Drift über Unterwasserbergen, die sich mit einem Echolot und einer Seekarte (Navionics oder Norgeskart.no) leicht erkennen lassen, am besten.

Bei den Rollen, Schnüren und Vorfächern habe ich mich folgendermaßen entschieden:
Stationärrolle (Größe 5000 -7000); 0,18er Geflecht; Fluorocarbon 0,60 – 0,80

Multirolle (am besten mit Schnurzähler und Angabe in Metern); 0,22er Geflecht; Fluorocarbon 0,80 – 1,10

Ein Schnurzähler ist ein nützliches Hilfsmittel.
Ein Schnurzähler ist ein nützliches Hilfsmittel.

Ob das jeder Norwegenfahrer so unterschreiben würde, weiß ich nicht. Bei uns hat es allerdings sehr gut funktioniert!

Irgendwann ist leider jeder Urlaub mal vorbei und so traten wir nach 9 Tagen und fantastischen Eindrücken im Gedächtsnis die Rückreise an.

Der Rückreise-Elch…
Der Rückreise-Elch…

Wenn ihr weitere Fragen zum Angeln in Norwegen habt, könnt ihr euch gerne bei mir melden oder eure Anregungen unter die Kommentare meiner Videos schreiben.

Wichtig bleibt mir noch folgender Hinweis: kein Fisch der Welt ist es wert, sein Leben zu riskieren. Achtet bitte in regelmäßigen und kurzen Abständen auf eure Wetterapps (z.B. Yr), hört auf die Anweisungen der Campbetreiber und tragt neben einer auftriebsstarken Schwimmweste geeignete Kleidung.

Danke fürs Lesen und euch ne stramme Leine!

Dennis Siever

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.