Jean Fertig
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Wenn die Räuber nicht wollen (oder nicht dürfen)

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In meinem letzten Erfahrungsbericht ließ ich durchschimmern, dass für diesen Winter einige Ansitze auf Großhecht geplant waren. Pustekuchen!
Mal hatte ich keine Zeit, dann wiederum war der See zugefroren. So kam ich letzten Endes nicht zu einem einzigen sauber geplanten Ansitz vor der Schonzeit, die am 01. Februar begann.
Den letzten Tag vor der Schonzeit nutze ich noch einmal ausgiebig. Zusammen mit Stefan fuhr ich den kompletten See mit dem Boot ab. Kräftiger Schneefall hatte eine weiße Schneelandschaft gezaubert, die aber sehr schnell zu tauen begann. „Was solls, nur die harten kommen in den Garten“.

Zu kalt gibts beim Angeln nicht!

Zu kalt gibts beim Angeln nicht!

 

Auch ein Boot mit Echolot ist keine Erfolgsgarantie

Auch ein Boot mit Echolot ist keine Erfolgsgarantie

Gleich morgens entdeckten wir 2 einzelne Kormorane, deren Jagdplatz wir später auch befischen wollten. Eigentlich sollten einige Barsche oder Hechte auf die Schuppen gelegt werden. Meine üblichen Plätze brachten aber nicht einen einzigen Biss.

So änderten wir unsere Strategie also dahingehend, dass wir uns über den See treiben ließen und einfach vertikal fischten. Doch auch das brachte uns keinerlei Erfolg.
Allerdings fanden wir hier dank dem Echolot einige sehr große Weißfischschwärme. Deren Umfeld beackerten wir sehr intensiv mit unseren Ködern, aber seltsamerweise war auch hier kein Räuber in der Nähe. Für die kommende Woche nahm ich mir also vor, an besagter Stelle zu feedern.

Aber, wie sollte es anders sein, ich habe Zeit und der See ist vereist. Ein spontanes Ausweichen an den Main lockte aber nicht mal eine Grundel an den Haken. Deswegen beschloss ich mit weiteren Feederversuchen zu warten, bis der See zumindest wieder teilweise eisfrei ist.

Sieht schön aus, bringt dem Angler aber keine Freude - Dünnes Eis.

Sieht schön aus, bringt dem Angler aber keine Freude – Dünnes Eis.

Als es dann endlich soweit war, lud ich einen Freund ein, sich mir anzuschließen. Roman ist zwar im Besitz etlicher Spinnruten, muss aber nun auch irgendwie die Schonzeit überbrücken. Von mir bekam er eine alte, gequälte Feederrute an die Hand, die sich an diesem Tag aber als zum gezielten Feedern nicht mehr tauglich erwies.

Nachdem wir rund 2 Stunden die Stelle beangelten, an der Stefan und ich zuvor die Weißfischschwärme gefunden hatten, stand ein Stellenwechsel an. Schließlich ließen sich hier nur 3 kleine Rotfedern mit den Maden überzeugen.

Fisch ist Fisch. Aber die Größe lässt zu wünschen übrig

Fisch ist Fisch. Aber die Größe lässt zu wünschen übrig.

Der Stellenwechsel war, entgegen der anfänglichen Vermutung, doch goldrichtig. Hier hatten wir über den Tag  verteilt einige aufsteigende Fische gesehen, außerdem war dies der Spot, an dem ich bei der Tour mit Stefan die Kormorane gesichtet hatte.
Zuerst versuchte ich mein Glück in rund 3m Tiefe auf hartem Grund, rund 20m vom Ufer entfernt. Roman saß eine Ecke weiter und versuchte es tatsächlich mit Schwimmer. Raubfischangler…

Nachdem aber auch mein Spot absolut nicht funktionierte, zweifelte ich doch sehr stark an unserem Stellenwechsel. Aus der Not heraus baute ich einen neuen Futterspot auf. Dieser, auf geschätzt rund 3,70m Tiefe mit mittelhartem Grund und einer von rechts nach links leicht abschüssigen Kante, erwies sich als Glückstreffer. Nach rund 15 Minuten bekam ich die ersten Bisse. Aufgrund der recht großen Entfernung waren diese mit der monofilen Schnur nicht eben leicht zu erkennen, aber schlussendlich ließ sich das erste kleine Rotauge fangen. Insgesamt wurden es an dieser Stelle 4 Rotaugen, die sich von der Größe her konstant verbesserten. Damit konnte ich auch endlich Roman überzeugen, die Stelle zu wechseln und wieder zu feedern. Da die benutzte Feederrute in ihrem langen Leben schon für Alles mögliche missbraucht wurde, hat das Spuren an ihr hinterlassen. So besitzen zum Beispiel die Ringeinlagen keine optimale Schnurführung mehr, die dadurch entstehende fehlende Wurfweite hielt Roman davon ab, auf dem selben Spot wie ich zu fischen.

Kescher geschont, Hand eingesaut...

Kescher geschont, Hand eingesaut…

Bald darauf stellte sich bei mir eine Beißflaute ein. Da ich den See nun schon einige Jahre beangle, weiß ich, was diese Beißpause bedeutet. Entweder steht ein Räuber am Platz oder – die Großen kommen.

Und ich sollte recht behalten, bald ließ sich die erste Brasse landen.

Direkt nach dem Auswerfen der nächste Biss – und die nächste Brasse.
Allerdings entdeckten wir jetzt einen Zusammenhang zwischen den Bissen und dem Wind. Sobald der Wind die Wasseroberfläche kräuselte, blieben die Bisse aus. Kein Wind -> Bisse.

Letztendlich konnte ich noch einen weiteren Klodeckel von rund 48cm landen. Zahlreiche andere Bisse konnte ich nicht verwerten, da ein Anhieb mit monofiler Schnur auf Entfernung nicht zwangsweise zum Fisch durchkommt.

 

Ziel erreicht.

Ziel erreicht.

Um diesem Problem entgegenzuwirken wird beim nächsten Feedern definitiv eine Rolle mit Geflecht dabei sein.
Um ein Fazit zu ziehen: Wichtig ist es flexibel zu bleiben. Nicht an einer Stelle verharren und auf Fisch zu hoffen. Nicht zu sehr auf bestimmte Fische fokussieren.
Wer sich zu sehr in einer Fischart festbeißt, wird spätestens dann, wenn diese Fische schlecht beißen oder Schonzeit haben, schon mit einer negativen Einstellung ans Wasser gehen.
Wer aber allem offen, und sich auch nicht zu schade für schleimige Brassen ist ( Ok, gibt definitiv schönere Fische!) wird weiterhin erfolgreich bleiben.

Ein Blick über den eigenen anglerischen Tellerrand lohnt sich!

 

 

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